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Mehr Platz für die Justiz: Noch immer wird im Amtsgericht an der Parkstraße verhandelt

Das Amtsgericht an der Parkstraße: Auch heute werden dort allgemeine Zivilsachen verhandelt.
Das Amtsgericht an der Parkstraße: Auch heute werden dort allgemeine Zivilsachen verhandelt. (Foto: Bernd Wähner)

Das Amtsgerichte Pankow/Weißensee ist das stattlichste Gebäude in der Parkstraße. Eröffnet wurde es vor 111 Jahren. Und noch immer finden hier Gerichtsverhandlungen statt.

Anfang des vorigen Jahrhunderts entschied die preußische Justizverwaltung, in den Ämtern Weißensee und Pankow angemessene Gerichtsgebäude zu errichten. Die Bevölkerung in den beiden Orten, damals noch vor den Toren Berlins, hatte so rasant zugenommen, dass die Justiz mehr Raum brauchte.

1902 wurden die Architekten Paul Thoemer und Rudolf Mönnich mit den Planungen für die Gerichtsgebäude beauftragt. Beide hatten bereits mehrere Berliner „Justizpaläste“ gebaut. In Weißensee planten sie in der Parkstraße 71, Ecke Große Seestraße, den Neubau im Stil der Renaissance. Stattliche 355 000 Mark wurden investiert. Eröffnung des Gerichtes war 1906.

Für Pankow planten die Architekten in der Kissingenstraße 5-6 indes einen dreiflügligen Putzbau mit barocken Formen. Dieser Neubau kostete sogar 647 000 Mark. Die Gerichte waren eigentlich für die damaligen Verhältnisse viel zu groß. Nur ein paar Richter, Gerichtsdiener und Kanzleibeamte arbeiteten zunächst in den Gebäuden.

Aber die Zahl der Mitarbeiter nahm rasch zu, so wie auch die Zahl der Bevölkerung rasant wuchs. Insofern hatte man seinerzeit sehr vorausschauend geplant. Zur weiteren Geschichte der beiden Gerichte ist nur recht wenig bekannt. Außer aufgefundenen Mitarbeiterstatistiken gibt es kaum Unterlagen. Viele Dokumente sind während oder nach dem Zweiten Weltkrieg teils absichtlich, teils aus Unkenntnis vernichtet worden.

Überliefert ist jedoch, dass es an beiden Amtsgerichtsgebäuden Gefängnisse gab. Das Weißenseer entstand an der Schönstraße. Bis 1929 wurde es als Gefängnis genutzt. Auch das Pankower Gefängnis wurde 1928 zunächst geschlossen. Es war für 50 Häftlinge errichtet worden, hatte zuletzt aber nie mehr als ein bis drei Insassen. Zu DDR-Zeiten war dieses Gebäude dann Stasigefängnis, und heute ist es ein Gefängnis für Frauen.

Die beiden Amtsgerichtsgebäude wurden nach der Wiedervereinigung Berlins für jeweils drei Millionen D-Mark saniert – und sind heute noch in voll in Betrieb. Während sich im Gericht an der Kissingenstraße die Bereiche für Familien- und Betreuungssachen befinden, sind im alten Amtsgericht Weißensee unter anderem die Bereiche für allgemeine Zivilsachen, Insolvenzverfahren, Nachlass- und Betreuungssachen beheimatet. So wie auf diesem Bild sah das Amtsgericht an der Parkstraße nach seiner Einweihung aus.

Das Amtsgericht an der Parkstraße: Auch heute werden dort allgemeine Zivilsachen verhandelt.
So wie auf diesem Bild sah das Amtsgericht an der Parkstraße nach seiner Einweihung aus.
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