In Selbsthilfe zum Atelierhaus
"CulturLAWINE" wird 30 Jahre alt

Der Künstler Micha Koch betreibt das Studio Weissensee, in dem am Wochenende eine Pop-up-Ausstellung zu sehen ist. Zum Studio gehört auch diese Werkstatt, in der der Künstler steht.
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  • Der Künstler Micha Koch betreibt das Studio Weissensee, in dem am Wochenende eine Pop-up-Ausstellung zu sehen ist. Zum Studio gehört auch diese Werkstatt, in der der Künstler steht.
  • Foto: Bernd Wähner
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Auf nunmehr 30 Jahre kann das Atelierhaus "culturLAWINE" in der Streustraße 42 zurückschauen.

Motor dieses Projektes und Vorsitzender des Trägervereins ist der Weißenseer Künstler Micha Koch. Der hatte zunächst seine Arbeitsräume im alten Landhaus an der Pistoriusstraße. Der Besitzer des Hauses erhöhte seinerzeit die Miete so drastisch, dass sich Micha Koch nach etwas neuem umsehen musste. So ging es auch anderen Künstlerkolleginnen und -kollegen. „Wir waren damals alle um die 30 Jahre“, erinnert er sich. „Auf der Suche nach neuen Arbeitsräumen wurden wir an der Streustraße fündig. Hier befand sich früher eine Möbelfabrik, Und alles stand leer.“ Die Künstler besetzten das Vorderhaus und die Fabrik.

Doch der Winter nahte. Das Haus musste winterfest gemacht werden. Die Weißenseer Bezirksverordnetenversammlung bewilligte den Künstlern ein paar Tausend Euro dafür. Das war seinerzeit, in der Wendejahren, noch möglich und ist heute kaum noch vorstellbar. Aber allen war klar: Wenn die Künstler länger bleiben sollten, muss ein Vertrag her. „Wir gingen dann zur damaligen Wohnungsbaugesellschaft. Deren Geschäftsführer sagte: Nein. Der damalige Bürgermeister Gert Schilling unterstützte uns aber. Und so erhielten wir dann doch einen Mietvertrag für die Streustraße 42“, so Micha Koch.

Foto-Ausstellung im Studio Weissensee

Darin einbegriffen war zum einen das Vorderhaus, zum anderen das Fabrikgebäude im Hof. Um dauerhaft bleiben zu können, entschlossen sich die Künstler, in Selbsthilfe die Immobilie zu sanieren. Für solche Selbsthilfeprojekte legte der Senat in den 1990er-Jahren ein Förderprogramm auf. Er schoss einen Teil der Finanzierung hinzu, wenn in Eigeninitiative der Rest der Leistungen erbracht wurde. Dieses Förderprogramm nutzen die Künstler, die sich 1991 zum Verein "culturLAWINE" zusammenschlossen. „1998 begannen wir mit den Bauarbeiten, schufen sechs Wohnungen, zwölf Ateliers und vier Proberäume für Musiker“, berichtet Micha Koch. Bis 2008 mussten die Künstler dann aber bangen. Es gab insgesamt 15 Rückübertragungsanträge für diese Immobilie. Alle erwiesen sich als unbegründet. Und so konnte der Verein schließlich das Grundstück kaufen und ist nun Vermieter der "culturLAWINE". Derzeit gibt es etwa 40 Mieter, berichtet Micha Koch. Dass diese Zahl höher ist als die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten liege daran, dass manche Räume gleich mehrmals vermietet sind. Dazu zählen zum Beispiel die Proberäume.

Micha Koch selbst ist Mieter sowohl einer Wohnung im Vorderhaus als auch des Studios Weissensee im früheren Fabrikgebäude. Zimmer in der großen Wohnung untervermietet er seit Jahren an Studenten. Zurzeit sind es mit Fabio Müller und Emanuel Frank zwei junge Männer aus der Schweiz. Seit Beginn der Pandemie pirschte Fabio mit der Kamera durch Berlin und machte Fotos vom Leben in Corona-Zeiten in der Stadt. „Seine Eltern taten das auch in Zürich in der Schweiz“, berichtet Micha Koch.

So entstand die Idee, die Fotos aus beiden Städten zusammen auszustellen. Diese Pop-up-Ausstellung mit den Fotos von Fabio Müller und seinen Eltern Susanne Müller und Markus Bossard eröffnet nun am 25. Juni um 18 Uhr im Studio Weissensee an der Streustraße 42. Zu sehen ist sie unter dem Titel „…jeder Tag ist anders“ am 26. und 27. Juni von 10 bis 18 Uhr nach Anmeldung unter der Telefonnummer 0177 741 81 69 oder info@studioweissensee.berlin. Das Studio Weissensee stellt Micha Koch übrigens immer wieder Kooperationspartnern für Foto- und Videoaufnahmen oder auch für Veranstaltungen zur Verfügung.

Mehr ist online auf www.studioweissensee.berlin zu erfahren.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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