Schloss in Flammen
Vor 100 Jahren brannte das Gutshaus am Weißen See nieder

Der Eingang zum Welt-Etablissement von Sternecker: Einst fuhr hier sogar eine Straßenbahn zum Schloss Weißensee, das im Hintergrund zu sehen ist.
  • Der Eingang zum Welt-Etablissement von Sternecker: Einst fuhr hier sogar eine Straßenbahn zum Schloss Weißensee, das im Hintergrund zu sehen ist.
  • Foto: Foto: Archiv Weißenseer Heimatfreunde
  • hochgeladen von Bernd Wähner

Es war eines der verheerendsten Großfeuer in weißensee: Am 21. Februar 1919 vernichteten Flammen das Schloss Weißensee.

Wie das „Berliner Tageblatt“ am Tage darauf berichtete, war das Feuer entstanden, weil Soldaten in einem Nebengebäude einen größeren Posten Holzwolle verbrannten. Die Flammen breiteten sich unaufhaltsam in Richtung Hauptgebäude aus. Auf dessen Boden lagerten Mengen von Handgranaten und Gewehrmunition, „die mit großem Getöse explodierten“. Das gesamte Schloss stand in Flammen, die Hauptwand stürzte ein, nur ein Teil des rechten Flügels blieb stehen.

Das Gutshaus, das die Weißenseer als Schloss bezeichneten und nur 60 Jahre lang am Weißensee stand, ließ der Landesökonomierat Lüdersdorf errichten. Der hatte Johann Heinrich Leberecht Pistorius beerbt. Später verkaufte er es an den Hamburger Großkaufmann Gustav Adolf Schön, der auf dem Gelände des alten Ritterguts Straßen und Parzellen anlegen ließ, um Weißensee zu einem Vorort von Berlin zu entwickeln.

Für das Schloss selbst fand sich ein neuer Verwendungszweck: Es wurde zum Ausflugsziel für Berliner. In seinen letzten Jahren hatte das Schloss mehrere Betreiber, unter ihnen Rudolph Sternecker, der dem Gebäude zu legendärem Ruhm verhalf. Das Schloss selbst wurde zum Tanzpalast „Bal champêtre“. An den Wochenenden kamen mehrere Tausend Berliner an den Weißen See, um sich dort zu vergnügen. Im Schloss selbst hatten auch die fünf Weißenseer Theatervereine ihre regelmäßigen Aufführungen. Aber Sternecker übernahm sich finanziell und tauchte Ende des 19. Jahrhunderts unter. Letzte „Bewohner“ des Schlosses waren Soldaten. Die Gemeinde wies die von ihr gewünschte Kriegsgarnison dort ein. Vermutlich durch Unachtsamkeit vernichteten die Soldaten das Gutshaus. Doch so richtig aufgeklärt wurde die Brandursache nie.

Immer wieder wird heute die Frage gestellt: Wo stand denn nun eigentlich das Schloss Weißensee? Es stand auf dem Platz in Höhe der heutigen Bootsausleihstation am Weißen See. Dort, wo sich die höher gelegene Freifläche befindet, war die Schloss-Terrasse zum Seeufer. Mehr zur Geschichte des Gutshauses ist in einem Vortrag zu erfahren. Zu diesem lädt Verein Weißenseer Heimatfreunde am 21. Februar um 18 Uhr in die Brotfabrik am Caligariplatz ein.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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