Bunte Kissen schneidern und Taschen designen
Gemeinnützige WIB GmbH wurde vor 30 Jahren gegründet

Bei der Arbeit sind sie meist guter Stimmung: Simone Mackowiak bespricht mit Birgit Mang und David Bossart die nächsten Arbeitsschritte in der Kissenherstellung.
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  • Bei der Arbeit sind sie meist guter Stimmung: Simone Mackowiak bespricht mit Birgit Mang und David Bossart die nächsten Arbeitsschritte in der Kissenherstellung.
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Es ist eines der imposantesten Gebäude im Ortsteil: Das Postamt an der Ecke Charlottenburger und Tassostraße. Doch dass sich in diesem Gebäude heute nicht nur eine Postbank befindet, sondern auch Beschäftigte in einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten, wissen die wenigsten.

Eingeweiht wurde das frühere Weißenseer „Postamt 1. Klasse“ am 10. Oktober 1915. Das Gebäude wurde von der damaligen Reichspost neu errichtet, weil Weißensee seinerzeit stetig wuchs. Seit Anfang der 90er-Jahre benötigte die Post aber immer weniger Raum. Und heute erinnert nur noch die Postbank an frühere Zeiten.

In den Gebäudeflügel an der Tassostraße 17 konnte indes die WIB Weißenseer Integrationsbetriebe GmbH einziehen. Deren Geschichte begann 1990. Seinerzeit wollten die Mitarbeiter der Stadtbezirksstelle für Rehabilitation und andere in diesem Bereich Tätige die Arbeit mit behinderten Menschen in neue Strukturen überführen. Sie gründeten zunächst den Verein Integration Behinderter, aus dem später die gemeinnützige WIB GmbH wurde.

16 Standorte

Der WIB-Verbund wuchs stetig weiter. Er ist inzwischen an 16 Standorten mit unterschiedlichen Angeboten tätig. Die Bandbreite reicht von Beratungen der Integrationsdienste, betreuten Wohnangeboten bis zu Beschäftigungsangeboten. Weil letztere immer facettenreicher wurden, gründete sich die Werkstatt im WIB-Verbund die WERGO GmbH. Deren Hauptstandort befindet sich in den Räumen des ehemaligen Postamtes an der Tassostraße 17. Dort befinden sich heute die WERGO-Fachbereiche Catering und Kantine, Büro und Verpackung, Hauswirtschaft, die Betriebsintegrierte Arbeit sowie Textil und Design.

Seit dem Shutdown im März war es in all diesen Werkstätten allerdings sehr ruhig. Die meisten Beschäftigten mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen unterschiedlicher Art mussten zum Schutz ihrer Gesundheit daheim bleiben. Doch inzwischen gehen die Werkstätten wieder Schritt für Schritt in Betrieb. Dazu gehört der Bereich Textil und Design. In dessen Berufsbildungsbereich sitzen Birgit Mang und David Bossart zurzeit an Schneidertischen und Nähmaschinen. Unter Anleitung von Simone Mackowiak nähen sie unter anderem Kissen.

Die beiden jungen Leute werden im Berufsbildungsbereich über zwei Jahre lang an das Tätigkeitsfeld Textil und Design herangeführt. Das ermöglicht ihnen später eine reguläre Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt oder in einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Auch wenn wir nicht in der Werkstatt waren, haben wir trotzdem gearbeitet“, berichtet David Bossart. „Ich sagte: Ich brauche Maßband, Schere, Nadeln. Und dann habe ich Mund-Nasen-Masken genäht.“ Mit den von David und weiteren Beschäftigten genähten Masken wurden zunächst alle Mitarbeiter der Wergo ausgestattet. Aber auch für soziale Einrichtungen wurden solche Masken gefertigt.

Aufträge abarbeiten

Inzwischen sind die ersten der insgesamt zwanzig Mitarbeiter aus dem Bereich Textil und Design wieder zurück. „Weil unsere Werkstatträume nicht allzu groß sind, können noch nicht alle wieder bei uns im Haus an die Arbeit gehen“, erklärt Simone Mackowiak. Aber zumindest kann nun mit dem Abarbeiten von Aufträgen wieder begonnen werden. Dazu gehört der Auftrag zur Herstellung bunter Kissen für das Label Tell Me (www.tellme.berlin). An diesem arbeitet gerade Birgit Mang mit Begeisterung. Daneben werden für das junge Modelabel Suere (www.suere-fashion.de) Hosen, Tops oder auch Mundschutze genäht. Für weitere Auftraggeber werden indes OP-Hauben, Leckerli-Beutel für Hunde oder Taschen im A5 Format hergestellt.

Dass dieser WERGO-Bereich nicht nur Textil, sondern auch Design im Namen trägt, hat seinen Grund. Mit der Marke „von uns“ (www.von-uns.berlin) ist nämlich auch ein eigenes Label entwickelt worden. Das Besondere an dieser Produktlinie: Auf ihr finden sich Ausschnitte aus Stadtplänen. Zu den Produkten zählen zum Beispiel Taschen, Brustbeutel oder auch Kissen, berichtet Peter Halle. Er ist seit 2011 einer der Beschäftigten im Bereich Textil und Design und arbeitet auch an diesen Produkten mit.

„Nachdem ich zunächst zwei Jahre im Berufsbildungsbereich war, entschied ich mich, bei der WERGO zu bleiben“, sagt der Weißenseer. „Die Nettigkeit der Leute hier und die Fürsorglichkeit der Betreuer hat mir mein Leben gerettet“, fasst er seine Geschichte zusammen. So geht es auch manch anderen Beschäftigten der WERGO im WIB-Verbund. Dieser kann übrigens im September sein 30. Gründungsjubiläum begehen.

Mehr ist auf www.wib-verbund.de zu erfahren.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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