Einigung mit Deutsche Wohnen
Neuer Schwung im Bauvorhaben Westend

Die Wohnsiedlung aus den 1950er-Jahren ist nur noch zum Teil bewohnt. Die Häuser sollen einem Neubauprojekt weichen.
  • Die Wohnsiedlung aus den 1950er-Jahren ist nur noch zum Teil bewohnt. Die Häuser sollen einem Neubauprojekt weichen.
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

Das Wohnungsbauprojekt „Siedlung Westend“ am Dickensweg geht in die letzte Runde. Nach langem Streit zwischen Bezirksamt, Bezirkspolitik und dem Wohnungsunternehmen Deutsche Wohnen kam es zum Stillstand des Vorhabens. Jetzt ist wieder Bewegung in das Projekt gekommen.

Über die neuesten Entwicklungen erklärte die Deutsche Wohnen auf Nachfrage der Berliner Woche, dass sie den Forderungen der beteiligten Parteien nachkommen werde. Es hätte sich ein Kompromiss ergeben, der als zweiter Nachtrag zum Durchführungsvertrag demnächst festgesetzt werden soll. Das bedeutet, dass die Mieter, die noch in der Siedlung wohnen, über die Bauphase hinaus in ihren jetzigen Wohnungen bleiben oder auf Kosten des Wohnungsunternehmens in eine Übergangswohnung auf dem Gelände umziehen können. Die Neubauwohnung soll weitgehend dem Umriss der jetzigen entsprechen.

Pressesprecherin Romy Mothes sieht das Aufeinanderzugehen aller Beteiligten als wichtigen Schritt, um wieder Schwung in das Bauvorhaben zu bekommen und weitere Schritte auf dem Weg zu einem Bebauungsplanbeschluss unternehmen zu können.

Insgesamt sollen auf dem Areal der früheren britischen Soldatensiedlung zwischen Dickens-, Swift- und Scottweg 661 neue Wohnungen gebaut werden. Die Bauten aus den 1950er-Jahren mit 212 teilweise noch vermieteten Wohnungen werden abgerissen. 204 der neuen Wohnungen sollen für eine Kaltmiete von 7,92 Euro und 165 Wohnungen nach den Wohnungsbauförderbestimmungen des Landes Berlin vermietet werden.

Die Deutsche Wohnen werde zudem ihr Mietversprechen auf die Bestandsmieter anwenden, teilt Mothes mit. Das Mietversprechen besagt, dass Mieterhöhungen nach dem Mietspiegel bei einem Mieter in einer bedarfsgerechten Wohnung reduziert oder ganz gekappt werden, wenn dann die Miete mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens des Mieters betragen. „Wenn also ein Mieter 1500 Euro Nettohaushaltseinkommen hat und 500 Euro Kaltmiete zahlt, wird bei ihm keine Mieterhöhung erfolgen“, erklärt die Pressesprecherin. So werde das auch bei den Bestandsmietern in Westend gehandhabt, die in eine der neu gebauten Wohnungen ziehen: „Die neue Kaltmiete wird bei einer bedarfsgerechten Wohnung nicht über 30 Prozent des Haushaltseinkommens liegen.“

Das Einlenken der Deutschen Wohnen freut auch die SPD-Fraktion, die sich für die Bestandsmieter der Siedlung Westend stark gemacht hatte. So erklärt dessen Fraktionsvorsitzende Alexander Sempf: „Die Deutsche Wohnen hat sich im Sinne der Bestandsmieter bewegt und sich auf die Forderungen der BVV eingelassen. Auch wenn noch nicht alle Details geklärt sind, so sind wir dem dringend benötigten Bau von bezahlbaren Wohnungen in Westend ein großes Stück näher gekommen.“ Und Wolfgang Tillinger, Fraktionssprecher für Stadtentwicklung, betrachtet die zusätzliche Aufnahme der Härtefallklausel als persönlichen Erfolg und sagt: „So kurz vor einem guten Ergebnis kann man nur sagen, dass die Deutsche Wohnen kein einfaches, aber doch einsichtiges Unternehmen sein kann. Ich freue mich, dass wir unsere Linie Neubau ja, aber nicht zum Nachteil der Bestandsmieter durchsetzen konnten.“

Und wie geht es jetzt weiter? „Wenn der zweite Nachtrag zum Durchführungsvertrag seitens des Bezirks unterschrieben wird, besteht der nächste Schritt in der öffentlichen Auslegung“, sagt Romy Mothes. Nach weiteren Planungsschritten und dem Beschluss zum Bebauungsplan durch die Bezirksverordnetenversammlung wäre ein möglicher Baubeginn frühestens Ende 2022 realistisch.

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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