Gedenktafel für eine mutige Frau
Anna Reinicke unterstützte den Widerstand

Karin Schulz von der AG SpurenSuche des Frauenbeirats Pankow und Bürgermeister Sören Benn an der Gedenktafel.
  • Karin Schulz von der AG SpurenSuche des Frauenbeirats Pankow und Bürgermeister Sören Benn an der Gedenktafel.
  • Foto: Renate Erbert/ Bezirksamt Pankow
  • hochgeladen von Bernd Wähner

Eine Gedenktafel für Anna Reinicke enthüllte Bürgermeister Sören Benn (Die Linke) am Haus in der Schillerstraße 50.

Angefertigt wurde sie auf Initiative des Pankower Frauenbeirats sowie der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirks, Heike Gestenberger. Mit der Tafel wird eine mutige Arbeiterin gewürdigt, die die Widerstandsgruppe von Robert Uhrig im Kampf gegen die NS-Diktatur unterstützte.

Für Anna Reinicke wurde bereits Ende 2017 ein Stolperstein vor dem Haus verlegt. Seinerzeit wurde auch von der Stolpersteingruppe Pankow die Biographie von Reinicke und deren Familie recherchiert.

In diesem Haus verbrachte Anna Reinicke Kindheit und Jugend. Sie wurde 1903 als Tochter des Drahtziehers und Walzers Hermann Föcke und seiner Frau Agnes geboren. Ihr Vater starb 1929. Die Mutter lebte bis zu ihrem Tod 1946 in der damaligen Schillerstraße 13. Später wurden die Hausnummern verändert.

Anna Föcke war eine einfache Arbeiterin. Sie heiratete den Dreher Richard Reinicke (geboren 1898). Er arbeitete in der AEG Turbinenfabrik in Moabit. Seit 1939 gehörte er zur Widerstandsgruppe der „Uhrig-Organisation“, eines Netzes kommunistischer Widerstandsgruppen, die in Berliner Betrieben eingesetzt waren. 1943 wurde Richard Reinicke verhaftet und in das KZ Sachsenhausen deportiert. Auf dem Todesmarsch 1945 ist er von US-Truppen befreit worden und konnte nach Berlin zurückkehren.

Von seiner Frau ist heute nur sehr wenig bekannt, weder das Datum ihrer Hochzeit, noch ob sie weiter in der Schillerstraße wohnte oder mit ihrem Mann eine andere Adresse hatte. Sie gehörte nicht der Kommunistischen Partei an. Trotzdem unterstützte sie die von Robert Uhrig geleitete Widerstandsorganisation. Wie andere Frauen auch, vermittelte sie wohl Treffpunkte, bewahrte wichtige Dokumente auf, half beim Verbreiten illegalen Materials, sammelte Lebensmittelmarken und Geld für ausländische Zwangsarbeiter. Zusammen mit ihrem Mann wurde Anna Reinicke am 5. September 1943 verhaftet. Mit nur 42 Jahren starb sie am 27. Januar 1945 an den Strapazen und Misshandlungen im Konzentrationslager Ravensbrück. Bis zum Ende der DDR war am Haus Schillerstraße 50 schon einmal eine Gedenktafel für Anna Reinicke angebracht. Auch ein Jugendklub trug ihren Namen. Und auf dem Denkmal für die Widerstandskämpfer in Wilhelmsruh ist ihr Name eingraviert.

Autor:

Bernd Wähner aus Pankow

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