Natur zerstört und ein "Grünes Band" angelegt
Anwohner fühlen sich nicht ausreichend informiert

Peter Meisel, Elisabeth Silbermann und Bärbel Krüger sind mit der Gestaltung des Grünen Bandes entlang ihrer Grundstücke am Mittelweg nicht zufrieden.
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Mit solch einem Kahlschlag hatte die Anwohner der Stege-Siedlung nicht gerechnet: Da wurden seit 2017 in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Hunderte Bäume und Büsche gefällt. Und mit der Neugestaltung des sogenannten Grünen Bandes zwischen Kopenhagener und Klemkestraße sind sie alles andere als zufrieden.

Zwischen der Stege-Siedlung und den S-Bahngleisen befand sich zu DDR-Zeiten die Berliner Mauer. Nach dem diese abgerissen worden war, siedelte sich hier eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt an. Vor einigen Jahren wurde die Idee entwickelt, den einstigen Mauerstreifen zu einem „Grünes Band“ umzugestalten. Und eines der Vorzeigeprojekte sollte der Abschnitt zwischen Kopenhagener und Klemkestraße werden. Geplant wurde ein Grünstreifen mit Biotopen, Radweg, Freizeit- und Bewegungsangeboten und einem Weg.

Unmittelbar an diesem Abschnitt liegen die Grundstücke des Mittelstegs. Viele Menschen wohnen schon sehr lange hier. Bärbel Krüger seit Anfang der 60er Jahre. Wie viele ihrer Nachbarn erfreute sie sich daran, dass die Natur den einstigen Mauerstreifen zurückeroberte. „Hier wuchsen Eichen, Birken, Ahorn, Eschen und große Holunderbüsche“, berichtet sie. „Darin siedelten sich viele Singvogelarten an. Igel und Hasen bezogen hier Winterquartier. Außerdem gab es Zauneidechsen, die im Sommer bis in unsere Gärten kamen.“

Als die Anwohner vom Vorhaben „Grünes Band“ hörten, waren sie natürlich aufgeregt. Um ihnen das Projekt nahezubringen, lud die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz im November 2016 zu einer Informationsveranstaltung ins Pankower Rathaus ein. Es wurden Pläne präsentiert. Doch die Anwohner blieben argwöhnisch. Sie boten den Planern an, ihnen schützenswerte Pflanzen und Tiere in diesem Gebiet zu zeigen. „Doch unser Angebot wurde nicht angenommen“, sagt Bärbel Krüger. „Im Gegenteil. Als ich auf das Vorkommen von Zauneidechsen aufmerksam machte, sagte man mit, das sei durch Gutachten nicht belegt.“

Stattdessen wurde, ohne es den unmittelbaren Anwohnern noch einmal anzukündigen, 2017 mit dem Abholzen Hunderter Bäume und Büsche begonnen. Dabei gingen die Abholzer offenbar ohne Rücksicht auf Verluste vor. Bärbel Krüger fand zum Beispiel Holzscheite, die in ihren Garten geschleudert wurden. Und sie fand etliche tote Vögel auf dem gerodeten Gelände, die sich auch fotografierte. „Außerdem verschwanden große Wiesenflächen mit Wildblumen“, sagt sie.

Dann begannen die Landschaftsgestalter mit dem Anlegen des Grünen Bandes. Unmittelbar an den Gärten wurde Sand aufgeschüttet. Daneben kam eine Asphaltpiste für Radfahrer. „Wir sitzen in unseren Gärten jetzt wie auf dem Präsentierteller“, sagt Peter Meisel, der ebenfalls am Mittelsteg wohnt. Unverständlich ist für ihn auch der große Grillplatz unweit von seinem und vom Grundstück von Bärbel Krüger. „Wenn der sich rumspricht, werden wir wohl an den Wochenenden kaum noch Ruhe und Entspannung finden“, meint er.

Anwohnerin Elisabeth Silbermann ärgert sich: „An Natur ist so viel zerstört worden. Aber bei der Neugestaltung ist viel weniger gepflanzt worden“.

Zu all den Themen hakten die Anwohner immer wieder bei der Senatsverwaltung nach, machten Vorschläge zur Verbesserung. Aber Reaktionen und Auskünfte, mit denen sie wirklich etwas anfangen konnten, erhielten sie nicht. Dass die Anwohner regelmäßig Kontakt mit der Bauleitung und dem Bauherren hatten, bestätigt der Pressesprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Umweltschutz, Jan Thomsen, auf Anfrage der Berliner Woche. „Es gab Telefonate, Schriftverkehr, sogar Treffen mit Anwohnern vor Ort“, erklärt er. Deshalb könne von einer mangelnden Kommunikation keine Rede sein.

„Die Schaffung einer für alle nutzbaren Naherholungsfläche in Schönholz war eine landschaftsbauliche Maßnahme des Bundes, die das Land in dessen Auftrag durchgeführt hat“, so Thomsen weiter. „Es ist richtig, dass auch etliche Bäume gefällt werden mussten.“ Von einem Kahlschlag könne aber keine Rede sein. „Die Fällungen waren notwendig, um die kontaminierten Böden abtragen zu können.“ Das war eine Voraussetzung, um diese Flächen überhaupt als öffentlichen Erholungs- und Naturerlebnisraum zu gestalten. In diesem Gebiet wurden nun unter anderem Biotopflächen völlig neu geschaffen. Diese tragen zu einer Erweiterung der Vielfalt der Lebewesen bei, erklärt Thomsen.

Die Arbeiten des Landschaftsbaus wurden im April abgeschlossen. Die Pflege und Unterhaltung erfolgt jetzt dauerhaft durch die Senatsverwaltung im Auftrag des Bundes, der Eigentümer der Flächen ist.

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