Erste Details für Bebauung des Woga-Komplexes hinter der Schaubühne

Statt Tennisplätzen eine luxuriöse Bebauung: Anwohner sahen bei der Versammlung erstmals offiziell Pläne des Londoner Investors.
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Wilmersdorf. Der Bauantrag ist eingereicht, die Bewilligung kaum zu verhindern. Aber was genau entsteht nun eigentlich im Inneren des denkmalgeschützten Woga-Komplexes an der Cicerostraße? Bei einer Anwohnerversammlung präsentierte der Investor ein Szenario, das Nachbarn schockiert.

Wohl kein Wohnungsbauprojekt erlebt seine Grundsteinlegung ganz ohne Beschwerden der Bürger. Doch im Falle des Woga-Komplexes im Hinterland der Schaubühne am Lehniner Platz ist der Fall besonders gelagert.

An jenem Abend, als das Bezirksamt und Shore Capital in der Hochmeisterkirche erstmals konkret über eine Wohnbebauung der früheren Tennisplätze am Ku’damm im Inneren des Ensembles informierten, haben offenbar schon 250 Nachbarn den Rechtsweg bestritten. Sie klagen gegen das Vorhaben des Investors, 40 hochpreisige Appartements in jenen Hof zu setzen, den sie als Teil des Denkmals ansehen.

Denkmal-Prüfung steht noch aus

Baustadtrat Marc Schulte (SPD) wird Shore Capital, die Firma eines Ehepaars aus London und seit 2007 Eigentümerin des Areals, nicht stoppen können, soviel steht fest. Es handle sich hier um eine „legale Grundstücksbildung“, sagte Schulte – und das Baurecht sei unbestritten. Noch steht das Ergebnis einer denkmalrechtlichen Prüfung durch das Landesdenkmalamt aus. Aber die Anzeichen mehren sich, dass es die brachliegenden Tennisplätze aus dem Ensembleschutz entlässt.

Was dann inmitten des historischen 30er-Jahre Komplexes von Erich Mendelsohn entsteht, dafür gab Architekt Armand Grüntuch, dessen Entwurf sich zuvor bei einem Wettbewerb durchgesetzt hatte, einen Ausblick. Simulationen zeigen einen verschachtelten Sechsgeschosser mit Wohnungen in Größen von 100 bis 200 Quadratmetern, reich an gläsernen Loggien und umgeben von „privaten Gärten“.

Zornige Anwohner fanden dafür ein anderes Wort: „Gated Community“. So nennt man luxuriöse Wohnsiedlungen, die sich gegen ihr Umfeld abschotten.

Doch schon der Projektname „Mendelsohn Quartier“ unter den Simulationsbildern zeigte an, das sich Shore Capital eigentlich dem Erbe des berühmten Architekten verpflichtet fühlt. Projektleiter Arno Löbbecke beruft sich auf eine Idee Mendelsohns aus dem Jahre 1932, als er zwischenzeitlich selbst so genannte Kreuzhäuser im Hof errichten wollte, um schließlich doch zu den Tennisplätzen umzuschwenken. „Wir wollen aber keine Rekonstruktion dieser Kreuzhäuser, sondern eine moderne Antwort“, versprach Architekt Grüntuch. Und Shore-Sprecher Thomas Marlinghaus bezeichnet das Projekt sogar „als Aufwertung des Quartiers“. Familien könnten am oberen Ku’damm ein neues Zuhause finden.

Mit Mendelsohns Plänen vereinbar?

Stadtrat Schulte sieht das moderne Gebäude und einen zweiten sechsgeschossigen Vorposten im Süden des Hofs zwar mit den Konzepten des Altmeisters vereinbar. Nicht jedoch die Einrahmung durch private Gärten. Hier sollte man bei der denkmalrechtlichen Prüfung Einfluss nehmen, hielt er fest. Etlichen wütenden Einwänden der Nachbarn, die das Projekt in Gänze ablehnen, begegnete Schulte mit Hinweisen auf die Gesetzeslage. „Ich kann den Profit von Investoren nicht einfach schmälern, weil es Gesetze gibt. Eine reine Verhinderungsplanung würde von einem Gericht kassiert werden“, gab er kund.

Doch die Versammlungsbesucher ließen sich dadurch nicht beruhigen und fanden immer neue Ansatzpunkte für ihre Kritik. „Einfach einen Glaskasten in die Mitte setzen“, rief ein Mann, „das ist doch ein Witz.“ Als schärfste Gegnerin der Nachverdichtung präsentierte sich erneut die fraktionslose Grünen-Politikerin Nadia Rouhani. Sie nannte es ein „Schurkenstück“, dass Shore Capital das Grundstück nach ihren Erkenntnissen für nur 435 000 Euro erwarb und jetzt einen Millionenprofit erwirtschaften darf.

Dabei hat sich die Bezirksverordnetenversammlung einstimmig gegen eine Bebauung positioniert. Auch dies ändert nichts daran, dass Stadtrat Schulte den Bauantrag in diesen Tagen bewilligen wird. Wann der Investor dann mit dem Bau beginnen könnte? Sofort. tsc

Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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