Politiker sind entsetzt
Anschlag auf Journalisten-Auto: Bekennerschreiben lässt auf politisches Motiv schließen

Das ausgebrannte Auto von Gunnar Schupelius am Neujahrstag. Auch die beiden Autos daneben wurden durch das Feuer beschädigt.
  • Das ausgebrannte Auto von Gunnar Schupelius am Neujahrstag. Auch die beiden Autos daneben wurden durch das Feuer beschädigt.
  • Foto: Wolfgang Hanisch
  • hochgeladen von Matthias Vogel

In der Silversternacht ist das an der Wiesbadener Straße geparkte Auto des B.Z.-Kolumnisten Gunnar Schupelius angezündet worden. Das Auto brannte völlig aus, der Staatsschutz ermittelt.

Gäste einer Kneipe an der Wiesbadener Straße hatten gegen 2 Uhr den Brand des Pkw bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Nach Angaben der Polizei konnte sie nicht mehr verhindern, dass der Wagen vollständig zerstört wurde. Durch das Feuer wurden zwei weitere Fahrzeuge beschädigt. Die Polizei kann eine politische motivierte Tat nicht ausschließen, daher ermittelt nun der Staatsschutz des Landeskriminalamtes.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre es innerhalb kürzester Zeit der zweite Fall in Wilmersdorf. In der Nacht zum 22. Oktober 2019 hatten Unbekannte die Scheiben des „Cafés Wahlkreis“ des CDU-Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler eingeworfen. Gröhler hatte ein paar Stunden zuvor den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung Felix Klein zu Gast in seiner Diskussionsrunde. Für ihn war daher ein antisemitischer Beweggrund der Täter klar, auch in diesem Fall ermittelt der Staatsschutz.

Zum Brandanschlag jetzt teilte Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) einen Inhalt bei Facebook, der die Entrüstung des Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, wiedergibt: "Ja, das ist ein widerlicher Angriff auf die Pressefreiheit. Nein, das ist mit nichts zu rechtfertigen!" Naumann teilte der Presse am 2. Januar mir: „Dieser kriminelle Akt ist absolut inakzeptabel. Jede Form der Gewalt ist abzulehnen, insbesondere aufgrund extremistischer Einstellungen im politischen Raum. Herrn Schupelius und seiner Familie gilt die volle Solidarität des Bezirksamtes. Es ist eine katastrophale Entwicklung, wenn in dem mutmaßlichen Bekennerschreiben sogar auf dessen Kinder Bezug genommen wurde. Ich hoffe sehr, dass es Polizei und Staatsanwaltschaft schnell gelingt, die Täter zu ermitteln und gegen sie mit allen rechtstaatlichen Mitteln vorzugehen.“

Sozialstadtrat Detlef Wagner (CDU) kommentierte den Post des Bürgermeisters so: „Wes Geistes Kinder müssen die Attentäter sein? Sind wir in Deutschland wirklich nicht bereit, aus der Geschichte zu lernen? Noch einmal zur Erinnerung: Die goldenen 20er waren gar nicht so golden. Der unsinnige Kampf zwischen Rechts- und Linksradikalen bereitete den größten Massenmördern der Geschichte den Boden, denn niemand stand auf, sich Menschenfeinden entgegen zu stellen.“ Wagner schloss mit dem Appell: „Darum lasst uns jetzt gemeinsam aufstehen und erklären in Wort und Tat: So nicht! Weder von Links noch von Rechts!“

Schupelius ist wegen seiner Kolumne „Mein Ärger“ in der B. Z. bekannt. Zum Anschlag auf sein Auto gibt es ein Bekennerschreiben im Internet. Der Artikel prangert die Haltung des Journalisten an. Die hinsichtlich der Tat entscheidende Passage: „Da er den Klimawandel nicht für erwiesen hält und Autofahren keine Notwendigkeit, sondern Sinnbild für persönliche Freiheit darstellt, haben wir entschieden, dem selbsternannten Verteidiger dieser 'Rechte' diese Freiheit ein klein wenig zu beschneiden und ihn dort zu treffen, wo es ihm weh tut: bei seinem Auto. Wir haben heute seinen SUV abgefackelt …“.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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