Matte Painter im Umspannwerk Wittenau
Bei der Ausstellung "Unseen Westeros" laufen Fans durch die Kulissen von "Game of Thrones"

In der Ausstellung „Unseen Westeros“ wird die Fantasy-Stadt Tyrosh erlebbar.
  • In der Ausstellung „Unseen Westeros“ wird die Fantasy-Stadt Tyrosh erlebbar.
  • Foto: Claudio Pilia
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

Großformatig wollen die Künstler hinter „Game of Thrones“ im Januar 2019 ihre fantastischen Landschaften in das ehemalige Umspannwerk Wittenau bringen. Für Besucher soll die Ausstellung die Entdeckungstour durch eine andere Welt ermöglichen. Initiator Sven Sauer hat der Berliner Woche erzählt, wie es dazu kam.

„Catelyn hatte diesen Götterhain noch nie gemocht. Sie war eine geborene Tully aus Schnellwasser weit im Süden, am roten Arm des Trident. Im Götterhain dort gab es einen Garten, hell und luftig, in dem hohe Rotholzbäume ihre Schatten über singende Bäche warfen, Vögel in verborgenen Nestern zwitscherten und die Luft von Blumenduft erfüllt war. Die Götter von Winterfell hielten sich andere Bäume. Es war ein dunkler, urweltlicher Ort, drei Morgen von altem Wald, zehntausend Jahre unberührt, als die finstere Burg darum entstand.“ So stimmt der Bestseller-Autor George R.R. Martin seine Leser auf Winterfell, einen der Hauptschauplätze seines Fantasyepos' „Das Lied von Eis und Feuer“, ein. Zwanzig Jahre später ist seine Romanreihe ein internationaler Hit und die darauf basierende HBO-Serie eine der erfolgreichsten Sendungen der aller Zeiten.

Sven Sauer arbeitet seit der zweiten Staffel an dem animatorischen Gesamtkunstwerk mit, entwirft am Computer die bildgewaltigen Landschaften, die so markant für die Geschichte rund um das Machtstreben unterschiedlicher Adelsfamilien in der fantastischen Welt sind. Sein Werk hat ihm mehrere Emmys eingebracht. Die mannigfaltigen Spielorte der Serie faszinieren ihn immer noch. Jetzt will er sie den Fans im wahrsten Sinne des Wortes zugänglich machen.

Spendenaktion über Kickstarter

Mit einer Gruppe aus „Game of Thrones“-Künstlern stellt Sauer im Januar 2019 riesige Landschaftsbilder der Fantasykontinente im ehemaligen Umspannwerk Wittenau aus. Finanziert wird das Ganze über Spenden, die auf der Plattform Kickstarter aktuell noch gesammelt werden. Der Eintritt soll letztendlich kostenlos sein. 150.000 Euro werden benötigt, denn allein die Aufbereitung der Bilder geht in die Zigtausende. Ein Wahnsinnsvorhaben. Wie kam es dazu?

Als 2015, parallel zur fünften Staffel der Serie, das Buch „Westeros – die Welt von Eis und Feuer“ erschien, seien viele Fans von dessen Inhalt enttäuscht gewesen, erzählt Sauer. Denn die Geschichte, deren Fortgang viele sehnlich erwartet hätten, wurde darin erst einmal nicht weitergeführt. Stattdessen beschrieb Martin, welche Kriege, Fehden und Persönlichkeiten den Kontinent Westeros bis zum Beginn der Buchreihe geprägt hatten. „Im Gegensatz zu vielen Fans fand ich die Hintergundgeschichte sehr spannend“, sagt Sauer. Ihre Spielorte nach der Ästhetik der Serie künstlerisch umzusetzen, das war eine reizvolle Idee. Sie reifte zur Vision einer Ausstellung, welche über großformatige und hochaufgelöste Bilder Entdeckungstouren durch die Kontinente der frühen Fantasywelt ermöglicht, so eben, wie man sie noch nicht gesehen hatte: „Unseen Westeros“. 

Schnell 15 Künstler 
für Ausstellung gewonnen

Sauer hörte sich unter den Kollegen um, wer an einem solchen Projekt interessiert sei und hatte innerhalb von nur einer Woche 15 Mitstreiter gewonnen – obwohl die kreativen Köpfe hinter der Serie geografisch verteilt sind und für eigentlich konkurrierende Produktionsfirmen arbeiten. „Es ist eine große Ausnahme, dass so viele Künstler zusammenkommen“, sagt Sauer.

Dass die Ausstellung nun im Umspannwerk Wittenau geplant ist, war ein Zufall. Der Tipp kam von einer befreundeten Produktionsfirma. Und der Zeitpunkt passte: Gerade ist das Umspannwerk Wittenau im Wandel hin zu einem vielfältigen Kultur- und Filmproduktionsort.

Für Sauer ist „Unseen Westeros“ nicht die erste spektakuläre Ausstellung in Berlin. Schon 2016 machte er mit anderen Künstlern Schlagzeilen mit „The Dark Rooms“, einer Schau, bei der die Werke angestrahlt in ansonsten völliger Dunkelheit in der verwinkelten Pankower Willner Brauerei präsentiert wurden. Den Initiatoren ging es damals darum, Besuchern eine neue Art der Kunsterfahrung zu ermöglichen. Dieses Anliegen verfolgen Sauer und seine Mitstreiter nun auch mit „Unseen Westeros“. 

8K-Bilder, Musik und Geschichten 

„Als Künstler ist für mich die Abwechslung bei der Serie der größte Reiz. Man bearbeitet ständig andere Orte, malt eine Woche einen Bergzug und in der übernächsten eine Wüste“, sagt er. Auch im weitläufigen Transformator Berlin sollten sich die Besucher von Kontinent zu Kontinent durch die Geschichte bewegen können. Die extrem hohe Auflösung der gezeigten 80 Bilder von 8K, also doppelt so vielen Punkten wie auf einer durchschnittlichen Kinoleinwand, dramaturgisch abgestimmte Musik und ein Audioguide, über den Geschichten zu den Landschaften erzählt werden, lassen die Besucher sinnlich in der Fantasywelt versinken. „Das Umspannwerk Wittenau eignete sich dafür optimal“, sagt Sauer. Durch die riesige Nutzfläche auf mehreren Ebenen hätten die Malereien Platz zum Wirken, ergäbe sich für die Besucher ein abenteuerlicher „Labyrintheffekt“, der Entdeckergeist wecke.

Um klassische Gemälde handelt es sich bei den Bildern freilich nicht. Es sind sogenannte Matte Paintings, die ihren Namen von der Mattscheibe haben. Sie sind ein klassisches Produktionswerkzeug im Film. Das ursprüngliche Prinzip: Auf eine Glasscheibe werden Teile einer Kulisse gemalt, etwa Burgen oder andere Attribute, die im Bau zu kostspielig wären. Die Kamera filmt durch diese Glasscheibe eine real gespielte Szene, die optisch dann mit der gemalten Kulisse verschmilzt. Heute geschieht das alles digital. Sauer ist auf dem Gebiet ein Experte mit Weltrang. Doch das merkt man nicht im Gespräch. Dann ist er einfach jemand, der dafür brennt, Fantastisches real aussehen zu lassen.

Alle Informationen zu „Unseen Westeros“ gibt es unter https://unseen-westeros.com/.

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