Wie Otto zu Reutter wurde: Couplets im Spandauer Volkstheater Varianta

Wann? 28.12.2017 20:00 Uhr

Wo? Spandauer Volkstheater Varianta, Carl-Schurz-Straße 59, 13597 Berlin DE
André Rauscher mit seinem Pianisten Erwin Böhlmann. (Foto: Christian Schindler)
 
Doziert und singt zu Otto Reutter: André Rauscher. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Spandauer Volkstheater Varianta |

Dem genialen Dichter und Sänger von Couplets Otto Reutter ist das aktuelle Programm des Spandauer Volkstheaters Varianta gewidmet.

Der Schauspieler und Sänger André Rauscher berichtet dem bei der Premiere sehr geneigten Publikum, „wie Otto zu Reutter“ wurde. Denn eigentlich hieß der Künstler Otto Pfützenreuter, und stammte aus dem sachsen-anhaltinischen Gardelegen. Die Pfütze ließ er hinter sich, als er auf den Bühnen Berlins zu einer Berühmtheit wurde, und nahm dafür ein weiteres „t“ in seinen Namen auf. Ein koketter Hinweis darauf, dass er gerne das große „R“ davor besonders intensiv betonte.

Reutter belebte das Couplet, jene Kunstform eines gereimten Liedes, indem er es zum Kommentar nicht nur seiner Zeit machte. Allgemein-menschliche Schwächen nahm er aufs Korn, wenn er zum Beispiel auch für sich reklamierte, „alles wegen de Leut“ zu tun. Reutter, der 1931 nach einem Herzanfall in Düsseldorf 60-jährig starb, fand viele Nachfolger, die seine Lieder nicht nur auf die Bühne, sondern später auch ins Fernsehen brachten. Rauscher steht somit in der Nachfolge von Reinhard Mey und Peter Frankenfeld, die beide auf ihre Weise den berühmten „Überzieher“ interpretierten: Die Geschichte von einem Mann, der nicht in Ruhe essen kann, weil er seinen gerade erworbenen teuren Mantel im Restaurant immer im Blick haben muss, und ihn dann doch verliert – wobei zu dem einen Malheur noch ein weiteres kommt…

Eigentlich sollte Reutter Kaufmann werden

Rauscher erzählt mit der Geschichte von Otto Reutter die Geschichte eines Mannes, der schon als Kind seine Vorführungen vor Nachbarkindern genoss, aber vom Vater in eine ungeliebte kaufmännische Lehre gezwungen werden sollte. Otto büxte immer wieder aus, und hatte schließlich riesigen Erfolg als Künstler, um den sich nicht nur die Theater rissen. Seine Schallplatten und Bücher verkauften sich ebenfalls gut.

Dabei blendet Rauscher die bedrückenden Vorkommnisse im Leben des Humoristen nicht aus: Zur Beerdigung seiner Mutter konnte er nicht fahren, weil ein Berliner Theater auf der Einhaltung des Vertrages und damit auf dem Auftritt in Berlin bestand. Als der Kaiser 1914 die Deutschen zu den Waffen rief, musste Reutter zwar nicht folgen, reimte aber Militärpropanda. Die Kriegsbegeisterung teilte er mit vielen Künstlern, die später zu Pazifisten wurden. Erst als sein einziger Sohn, auch Otto getauft, 1916 vor Verdun fiel, wurde Reutter in dieser Hinsicht nachdenklich und melancholisch. Die Trauer um den Sohn hat ihn bis zum Lebensende begleitet.

Melone und Brille reichen André Rauscher

Mit seinem Pianisten Erwin Böhlmann erkundet Rauscher die Gültigkeit von Reutters Texten, für die nicht gilt, was Reutter in einem zum Gassenhauer gewordenen Refrain für fast alles auf dieser Welt feststellte: „In fünfzig Jahren ist alles vorbei.“ Melone oder Brille reichen Rauscher, die markanten Figuren Reutters nicht nur musikalisch zu neuem Leben zu erwecken. Am Ende wird das Publikum nicht „als jeheilt entlassen“, zumindest nicht von Reutter.

Der Couplet-Abend „Als Otto zu Reutter wurde“ steht wieder am 26., 27. und 28. Dezember jeweils um 20 Uhr auf dem Programm des Spandauer Volkstheaters Varianta, Carl-Schurz-Straße 59. Karten kosten 19, ermäßigt 14 Euro, und können unter 54 77 50 35 oder per E-Mail unter buero.variantaberlin@gmx.de bestellt werden. Vorverkauf auch im Gotischen Haus, Breite Straße 32.
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