Schüler-Kunstwerke am U-Bahnhof Wutzkyallee enthüllt

Darnell, Sakshi (stehend v.l.), Sila und Noor mit Lehrerhelfer Pavel Golubev und Klassenlehrerin Brigitte Bekesch vor ihrem Fliesenbild. (Foto: Susanne Schilp)

Gropiusstadt. Einen knappen Meter breit und drei Meter hoch ist jedes der neun Wandbilder, die das Hochhaus an der Joachim-Gottschalk-Straße schmücken. Mädchen und Jungen aus zwölf Neuköllner Grundschulen haben insgesamt 1080 Fliesen gestaltet, um Farbe in die Gropiusstadt zu bringen. Am Dienstag, 10. Juni, stand die feierlich Enthüllung der Kunstwerke auf dem Programm.

Kurze Reden wurden gehalten, es gab Applaus und etliche Kameras klickten: Die Kinder waren sichtlich stolz auf das Vollbrachte. Sie hatten nicht nur wochenlang im Kunstunterricht an ihren Fliesen gearbeitet, sondern sich auch mit dem gestellten Thema, dem Leben des Schauspielers Joachim Gottschalk, auseinandergesetzt. In der Weimarer Republik war Gottschalk ein gefeierter Star, doch weil er sich weigerte, sich von seiner jüdischen Frau Meta Wolf zu trennen, erhielt er immer weniger Rollen. Ende 1941 beging das Ehepaar Selbstmord.

Daran erinnerte auch Frank Bielka, Vorstand des landeseigenen Wohnungsunternehmens Degewo, Initiatorin des Fliesenprojekts. "Die Nazis haben Joachim Gottschalk in den Tod getrieben. Wir wollen auch heute keine Nazis in der Gropiusstadt", betonte er. Er beglückwünschte die Schüler zu ihrer Arbeit, genauso wie Schulstadträtin Franziska Giffey. "Das ist das fünfte Fliesengemälde, das wir in der Gropiusstadt enthüllen. Und noch keines ist bisher beschädigt worden. Das liegt daran, dass jeder von euch ein Stück dazu beigetragen hat, die Siedlung schöner zu machen", sagte sie.

Noor, Sakshi, Sila und Darnell aus der 5a der Lisa-Tetzner-Grundschule hat das Projekt Spaß gemacht. Ihr Kunstwerk ist besonders farbenprächtig, Auf vielen Fliesen ist ein geschminktes Gesicht oder eine Maske zu sehen. "Das Thema ,Schauspieler‘ passt zu uns; wir sind schließlich eine theaterbetonte Schule", erklärt Brigitte Bekesch, Klassenlehrerin der 5 a. Dankbar ist sie auch dem Lehrerhelfer Pavel Golubev. der immer ganz vorne dabei ist, wenn an ihrer Schule irgendein Kunstprojekt in Planung ist.

Die Fliesengemälde haben die Schulen übrigens nichts gekostet, außer Zeit. Die Farben, Pinsel und Fliesen hat die Degewo bezahlt und sie hat auch die Fassade des 26-Geschossers am U-Bahnhof Wutzkyallee zur Verfügung gestellt. Und das Projekt kann noch lange Zeit weitergehen, denn an Häusern mangelt es der Degewo nicht: Sie ist der größte Vermieter in der südlichen Gropiusstadt.


Susanne Schilp / susch
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