Interkultureller Frauentreffpunkt steht vor dem Aus

Mehr als 70 Frauen kommen regelmäßig zu Ülkü Özdemir (4. von links, stehend) in den Deutschunterricht oder zur Beratung. (Foto: Kiefert)

Haselhorst. Der interkulturelle Frauentreffpunkt des Gemeinwesenvereins Haselhorst steht vor dem Aus. Zum Jahresende laufen die Fördermittel aus. Um das Projekt zu retten, haben die Frauen Unterschriften gesammelt.

Das Projekt wird seit 2008 mit Mitteln der EU und des Senats für Stadtteilzentren finanziert. Die Laufzeit ist befristet. Ende des Jahres ist es vorbei. Der Gemeinwesenverein Haselhorst bemüht sich deshalb bereits seit Monaten um eine Finanzierung aus anderen Quellen. Bisher allerdings erfolglos. "Es ist wirklich schade", sagt Geschäftsführerin Elke Schönrock. "Da haben wir ein interkulturelles Projekt, das total gut angenommen wird und eine Lücke schließt, aber nirgends scheint es dafür eine Förderung zu geben."

Jährlich wären etwa 20 000 Euro nötig. Beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat es der Verein schon versucht. Doch die Behörde kann das Projekt erst ab 2015 unterstützen. Wenig Hoffnung macht auch die Senatsverwaltung, die das Angebot über das Frauenstrukturförderprogramm weiterfinanzieren könnte.

Leiterin des interkulturellen Frauentreffpunkts ist Ülkü Özdemir. Läuft ihre Stelle und damit das Projekt aus, gibt es keinen Ersatz. Dabei kümmert sich Özdemir leidenschaftlich um die Sorgen und Nöte der Frauen, meist mit türkischem Migrationshintergrund, die zu ihr in den Deutschunterricht oder in die Beratung kommen. Sie suchen meist Rat bei familiären oder sozialen Problemen. "Es geht es um private Eheprobleme, Arbeitslosigkeit, Gewalt in der Beziehung, aber auch um Behördenangelegenheiten oder Schwierigkeiten, richtig mit dem Internet zu arbeiten", erläutert Ozdemir.

Mehr als 70 Frauen kommen mittlerweile regelmäßig zu ihr. Dass die Sozialpädagogin Lösungen findet und vertrauensvoll ist, hat sich im Kiez schnell herumgesprochen. "Zu mir kommen Frauen, die noch nie allein das Haus verlassen haben. Hier finden sie Kontakt, was ihr Selbstvertrauen stärkt und sie mutiger macht", sagt die Projektleiterin. Ihr gelingt es auch, Gespräche mit den Ehemännern zu führen, damit die Familie sich zusammensetzt und miteinander spricht. Dank ihres Netzwerks kann Özdemir auch Jugendlichen im Kiez dabei helfen, eine Arbeit oder Ausbildung zu finden.

Weil die Frauen Ülkü Özdemir und das einzigartige Angebot in Haselhorst nicht missen wollen, haben sie die Initiative ergriffen und 80 Unterschriften gesammelt. Die Liste wurde Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) übergeben, mit der Hoffnung auf eine Finanzierung über das Bezirksamt. Die ist jedoch im Bezirkshaushalt bisher nicht vorgesehen. "Ich werde das Projekt aber so weit ich kann unterstützen", kündigte Kleebank an. Er halte das Projekt für ein wichtiges Angebot in Haselhorst und für die Integration in Spandau insgesamt.


Ulrike Kiefert / uk
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