Erfinder der Sicherheitszonen in Kriegen starb 1946 in Berlin

Der Initiator des Gedenkens Jiang Yuchun (links) mit anderen Teilnehmern bei der Enthüllung des Steins für Emile Jacquinot de Besange. (Foto: Christian Schindler)

Heiligensee. Genau 67 Jahre nach dem Tod des Jesuitenpaters Robert Emile Jacquinot de Besange hat das Bezirksamt am 10. September für den fast vergessenen Flüchtlingshelfer eine Gedenktafel auf dem Friedhof Heiligensee enthüllt.

Wer Genaueres über den Franzosen erfahren will, muss zu einem Buch greifen, das die amerikanische Autorin Marcia Ristaino 2008 veröffentlichte. Die ehemalige China-Expertin der Kongress-Bibliothek in Washington war auf ihn gestoßen, als sie über Shanghai in der 1930er Jahren recherchierte.Der am 15. März 1878 im westfranzösischen Saintes geborene Jacquinot war nicht nur Geistlicher. Er wurde Professor für englische Sprache und Literatur und unterrichtete Studenten, als er von 1913 bis 1940 im Auftrag seines Ordens in China lebte. Seinen Vorgesetzten galt er als eigensinnig. Das bestätigte sich auf dramatische Weise. Beim Versuch, mit seinen Studenten Feuerwerkskörper zu bauen, kam es zu einem Unfall, bei dem er den rechten Arm verlor.

Seine historische Bedeutung erlangte Jacquinot 1937. Während des chinesisch-japanischen Krieges richtete er in Shanghai eine Sicherheitszone ein, womit er mehr als 300 000 Chinesen das Leben rettete. 1945 kam der Franzose als Leiter der "Vatikanischen Delegationen in Berlin für die Hilfe der Flüchtlinge und Vertriebenen" in die stark zerstörte deutsche Hauptstadt.

Hier erkrankte Jacquinot an Leukämie. Marcia Ristaino hat bei ihren Recherchen erfahren, dass der Geistliche bis zuletzt frohen Mutes und voller Humor war: "Am Tag vor seinem Tod sollte er die letzte Ölung erhalten. Er bat aber um eine Flasche Champagner. Er selbst konnte davon nur noch wenige Teelöffel zu sich nehmen. Dann forderte er die Umstehenden auf, auf seine Gesundheit anzustoßen." Jacquinot starb am 10. September 1946.

Noch heute ist sein Grab in der Franzosen-Abteilung des Friedhofs Heiligensee, Sandhauser Straße 78-130, zu finden (Abteilung 34, Reihe 1, Nummer 17). Dass dort jetzt auch eine Gedenktafel an ihn erinnert, ist dem Chinesen Jiang Yuchun zu verdanken. Er arbeitet für das John Rabe Communication Center Heidelberg. Das wurde gegründet von dessen Enkel Thomas Rabe. John Rabe leitete während des chinesisch-japanischen Krieges die Siemens-Vertretung in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanking, und rettete dort mehrere Tausend Chinesen vor marodierenden japanischen Soldaten.

Während Rabe als "der gute Deutsche von Nanking" nicht nur in die chinesischen Geschichtsbücher einging, verblasste das Gedenken an Jacquinot. Und das, obwohl sein Konzept der Sicherheitszonen in kriegerischen Auseinandersetzungen in die Protokolle und Kommentare der Genfer Konvention von 1949 eingingen.

Auf der Gedenkfeier zur Enthüllung des Steins mahnte Jesuitenpater Ludger Hillebrand, auch heute Flüchtlingen zu helfen.

Marcia R. Ristainos Buch "The Jacquinot Safe Zone. Wartime Refugees in Shanghai" ist 2008 in der Stanford University Press erschienen, hat 224 Seiten und kostet 27, 95 US-Dollar (ISBN 978-080475935).

Christian Schindler / CS
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