Anwohner verlegen am Sportforum sechs Stolpersteine

Eva Prausner von Lichtblicke legt an den Stolpersteinen für die Familie Lewinsohn Rosen nieder. Rainer Früholz (Mitte) initiierte das Gedenken. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. An die Verfolgung und Verschleppung der jüdischen Bevölkerung erinnern die Gedenksteine des Künstlers Gunter Demnig. Anwohner initiieren dieses Gedenken am Sportforum.

Verschwunden sind die Spuren an die ehemalige Koskestraße, wo in einem Wohnhaus mit der Hausnummer 13-14 die Familie Lewinsohn dem NS-Terror zum Opfer fiel. Heute befindet sich an diesem Ort das Sportforum. Gegen das Vergessen ging jetzt eine Gruppe von Anwohnern vor. Sie verlegte an der Konrad-Wolf-Straße Ecke Steffenstraße sechs Stolpersteine. "Uns hat die Auslöschung einer ganzen Familie bedrückt", erklärt Dagmar Poetzsch, DGB-Kreisvorsitzende Ost. Der Gewerkschaftsbund unterstützt die Idee der Bürger, an diesem Ort der Familie Lewinsohn zu gedenken. In Zusammenarbeit mit dem Verein Lichtblicke und privatem Engagement konnten die Bürger so die Patenschaft für die sechs Steine übernehmen.

Rainer Früholz gab den Anstoß für das Gedenken. Er recherchierte die Geschichte der Familie Lewinsohn nach, die zum Großteil mit dem 33. Transport nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Ein Schicksal, das ihn bewegt und über die Repressionen gegen die am Ort kleine jüdische Gemeinde nachdenklich macht: "Man fragt sich, wie das ablief: wie etwa die Wohnung aufgelöst wurde." An die damalige Zeit erinnert bereits eine Gedenktafel an der Konrad-Wolf-Straße 91. An dieser Stelle befand sich bis 1938 die Synagoge der Jüdischen Gemeinschaft Hohenschönhausen.

Teil der sechsköpfigen Familie war auch die gerade mal drei Monate alte Reha Lewinsohn. Sie wurde zusammen mit ihrer Familie am 3. März 1943 deportiert. "Sie hatte keine Lebenschance. Das macht die hier angewandte Willkür besonders deutlich", weiß auch Dagmar Poetzsch. Zuvor wurde die Familie bereits auseinander gerissen: der 16-jährige Sohn von Else und Hugo Lewinsohn, Julian, musste nach Beendigung der Schule 1941 Zwangsarbeit bei der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik AG leisten. Von einem Sammellager in der Levetzowstraße 7-8 aus wurde er nur einen Tag vor der Deportation der übrigen Familie bereits nach Auschwitz transportiert, wo er am 18. April 1943 starb. Auch seine elfjährige Schwester Rita und der Bruder Artur haben die NS-Herrschaft nicht überlebt.

Am 30. November wurden zu ihrem Gedenken die aus Messingplatten bestehenden Stolpersteine ins Straßenpflaster eingelassen. Die Bürger gedachten der Familie anschließend mit der Niederlegung von Rosen.


Karolina Wrobel / KW
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