Fotoausstellung im Schloss zeigt Alltagskultur der DDR

Die Fernseh- und Märchenfiguren an Hauseingängen dienten Kindern zur Orientierungshilfe, weiß Wolfgang Mattern. (Foto: Wrobel)

Alt-Hohenschönhausen. Vielen Anwohnern sind die Bilder noch gut im Gedächtnis: Märchenmotive oder Fernsehfiguren waren beliebte Motive für Wandbilder an den Hauseingängen von Plattenbauten.

Mittlerweile sind die von den Anwohnern einst in den 1980er Jahren mit Bildern selbst gestalteten Eingänge modernisiert und saniert - und die rund 1000 Bilder verschwunden. Die Fotografieausstellung "Bemalungen an Häusern in Hohenschönhausen 1984 - 1989" im Schloss Hohenschönhausen in der Hauptstraße 44 ruft die Alltagskultur der DDR wieder in Erinnerung. "Viele dieser Motive haben eine eigene Bedeutung für die Bewohner des jeweiligen Hauses gehabt. Nach der Wende verschwanden die Bilder in einer rasenden Geschwindigkeit", weiß Wolfgang Mattern. Im Auftrag des Heimatvereins Hohenschönhausen dokumentierte er deshalb noch bis ins Jahr 1992 hinein in einer rund 500 Fotos umfassenden Bildstrecke die Varianten und Motivvielfalt dieser heute verschwundenen Hausbemalungen. Im Bürgerschloss wird jetzt eine Auswahl der prägnantesten Bemalungen gezeigt - die großformatigen Bilder entsprechen dabei oft der Originalgröße der abgebildeten Motive.Mit dabei ist etwa das Motiv eines Außerirdischen, der an einem Hauseingang in der Barther Straße aufgebracht wurde. Es ist wohl eines der skurrilsten Motive. Denn sehr oft haben die Anwohner bei der Gestaltung der Hauseingänge auf Motive aus Märchenerzählungen zurückgegriffen: Hans im Glück, der Froschkönig oder Schneewittchen mit den sieben Zwergen hatten nicht nur die Aufgabe, den Eingang bunt zu schmücken. Die industrielle Bauweise der Wohnblöcke machte die gleich aussehenden Hauseingänge oft für die dort wohnenden Kinder ununterscheidbar. "Die Bilder dienten da als einfache Orientierungspunkte. Sie waren also mehr als Schmuck: nämlich ein funktionales Element", erklärt Mattern.

"Besonders waren die Bilder auch deswegen, weil sie im Gegensatz zur staatlich beauftragten Kunst am Bau fast vollständig in Eigeninitiative der Bewohner entstanden", so Mattern weiter. Die Gestaltungsaktionen entstanden nicht selten spontan, in den Hausgemeinschaften sammelte man Geld für die Farbe und die benötigten Materialien.

"Die Stilistiken und die Qualität der Bilder unterschieden sich natürlich sehr voneinander", weiß der Dokumentarist. Ein fröhlicher Dilettantismus habe hier den Pinsel geführt. Dabei hatten die Bildurheber auch überraschenden Einfallsreichtum bewiesen: Hausnummern wurden fantasievoll ins Bild eingearbeitet, sämtliche Elemente des Hauseingangs wie Türen oder Griffe im Bild integriert. Heute sind die meisten dieser Bildurheber nicht mehr zu ermitteln. "Trotzdem wollen wir die Erinnerung an diese Alltagskultur der DDR erhalten", so Wolfgang Mattern.

Die Ausstellung ist noch bis Januar 2013 im Schloss Hohenschönhausen zu sehen. Der Eintritt ist frei, um Voranmeldung wird gebeten unter 97 89 56 00.

Weitere Informationen gibt es unter www.schlosshsh.de.

Karolina Wrobel / KW
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