Wandgemälde am Osthafen erzählt ein Stück Geschichte

Das Wandgemälde an der Giebelseite zeigt Szenen aus dem alten Osthafen, der 2013 seinen 100. Geburtstag feiert. (Foto: Staacke)

Alt-Treptow. An der Stralauer Allee, Ecke Danneckerstraße, springt es förmlich ins Auge. Auch vom Treptower Ufer aus ist es gut zu übersehen. Das riesige Wandgemälde am Giebel macht den restaurierten Altbau einzigartig.

Eine beschauliche Stadtlandschaft, eine Mischung aus Fantasie und Realität, zieht den Betrachter in den Bann. Im Blickpunkt steht der Osthafen, der Alt-Treptow mit Friedrichshain und Kreuzberg verbindet. Auf der Spree Schleppkähne, Segelboote und Frohsinn auf einem Kahn. In der Ferne die Oberbaumbrücke. Geschäftig geht es auf dem Wasser und an der 1,4 Kilometer langen Kaimauer links mit 40 Anlegeplätzen zu. Schöpfer Frank Beutel erzählt ein Stück Zeitgeschichte, die bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts reicht, als der Hafen entstand. Die rasante Entwicklung der Schifffahrt erforderte den Umschlagplatz. Zwei bärtige Männer verfolgen interessiert von der Brücke das Treiben. Der Kleidung und den Hüten nach könnten sie auch den Erzählungen Mark Twains entsprungen sein. Heute wären das vielleicht potenzielle Investoren. Der Maler überlässt es der Fantasie des Betrachters. Selbst die Brücke ist in die damalige Zeit versetzt.

Frank Beutel hat schon vielfach an Berliner und Brandenburger Häuserwänden seine Spuren hinterlassen. Für das aktuelle Werk stöberte er in Museen und Bibliotheken. "Häuser erzählen Geschichten, vor allem wenn sie so alt sind wie an der Stralauer Allee", sagt er.

Mit dem Startschuss zum Hafenbau 1907 entstanden die ersten Häuser auf dem bis dahin unbebauten Anger. "Davon profitierten auch die Besitzer von Pferdefuhrwerken, die aus dem Hafen das Benzin für ihre mobilen Tanks bekamen und mit den neuen Autodroschken ihre Geschäft machten", erzählt Beutel, der alte Karten, Skizzen und Bilder fand, die das Geschehen dokumentieren.

Dank seiner Recherchen erfuhr er, dass sich 2013 zum 100. Mal die Einweihung des Osthafens jährt. Das Jubiläum war das i-Tüpfelchen, um den Besitzer des Hauses von seiner Idee zu überzeugen, der er den Namen "Kahn der fröhlichen Leute" gab.

Nicht nur die Giebelseite hat der Maler gestaltet. Auch der alte Stuck an der Straßenfront wurde täuschend echt mit dem Pinsel gezaubert. Jetzt ist das bemalte Haus fertig und ein echter Hingucker.


Barbara Staacke / Sta.
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