Spandauerin feiert zum zehnten Mal runden Geburtstag

Eine fesche Dame - denken sich beim Anblick von Marie Woitke sicherlich einige. Aber wohl kaum, dass sie schon bald ihren 100. Geburtstag feiert. (Foto: privat)

Falkenhagener Feld. Das wünscht sich sicherlich jeder, falls man überhaupt so alt wird: Mit 100 Jahren immer noch selbstständig in der eigenen Wohnung leben und verhältnismäßig bei guter Gesundheit sein. Marie Woitke hat das geschafft. Die Spandauerin feiert am 2. Juli ihren 100. Geburtstag.

Geboren 1913 in Stradow im südlichen Brandenburg kam sie als junges Mädchen 1928 nach Berlin. Hier erlernte sie den Beruf der Bäckerei-Fachverkäuferin. Der brachte die junge Frau 1931 als Verkäuferin in die Bäckerei Piater an der Weißenburger Straße 30. Dort lernte sie den Betriebsführer und Bäckermeister Adolf Woitke kennen, den sie 1932 heiratete.Zunächst übernahm das junge Paar einen Bäckereibetrieb am Prager Platz in Wilmersdorf. Doch schnell ging es zurück nach Spandau. Seit Ende 1932 führte das Ehepaar hier die Bäckerei an der Weißenburger Straße 30, in der sich beide kennengelernt hatten. Im Lauf der Jahre kamen zwei weitere Filialen an der Pichelsdorfer Straße hinzu. Und auch die Familie wuchs. Sohn Wolfgang wurde 1936, Harald 1939 geboren.

Weil der Betrieb 1939 für "kriegswichtig" erklärt wurde, arbeiteten die Woitkes trotz der Kriegswirren gemeinsam mit bis zu acht Angestellten bis April 1945 in der Bäckerei. Dann wurde das Haus evakuiert und von den Deutschen als Verteidigungsstellung gegen den Ansturm der Russen ausgebaut. Familie Woitke wurde von Bekannten in Staaken aufgenommen.

Nach Kriegsende wurde die Bäckerei wieder als Familienbetrieb aufgebaut. Sohn Wolfgang betrieb als Bäckermeister gemeinsam mit dem Vater die Backstube, Marie Woitke war mit zwei Angestellten für den Verkauf zuständig.

Als ihr Mann 1970 im Alter von 73 Jahren verstarb, ging Marie Woitke mit 57 Jahren zum damaligen Kaufhaus Hertie in der Spandauer City und arbeitete dort bis zur Rente als Verkäuferin für Backwaren. 1970 bezog sie auch ihre Wohnung im Falkenhagener Feld, in der sie bis heute lebt.

Ihrem Sohn Harald, der sie beim Einkauf unterstützt, und für eine Haushaltshilfe ist sie zwar sehr dankbar, sie legt aber viel Wert auf ihre Eigenständigkeit. "Den Umzug in eine Senioreinrichtung lehnt meine Mutter kategorisch ab", sagt Harald Woitke. Und wenn mal niemand als Begleitung zur Verfügung stünde, fahre seine Mutter auch noch allein mit dem Bus. Auch auf ihre Hobbys will die 100-Jährige keinesfalls verzichten. Im hohen Alter kocht sie noch immer gern, backt Kuchen und pflegt mit viel Liebe die Blumen und Pflanzen auf ihrem Balkon.


Michael Uhde / Ud
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