Berliner Woche und Bürgermeisterin treffen "Bestien"

Chris Kunzmann präsentiert eine Hundebüste, die dank ausgeklügelter Technik zwar knurren, bellen und beißen kann, aber nicht Gassi gehen muss. (Foto: HDK)

Friedenau. Bürgermeisterin Angelika Schöttler und Berliner-Woche-Reporter Horst-Dieter Keitel gehen einmal im Monat im Bezirk auf Entdeckungstour und besuchen besondere Leute, Orte und Institutionen. Dieses Mal guckten sie sich in der Monsterschmiede "ChrisCreatures" in Friedenau um.

Die Bürgermeisterin hat zwar schon viel von dieser seltsamen Werkstatt gehört, aber mehr auch nicht. Nun ist sie ziemlich gespannt, was wirklich dahinter steckt. Sie soll nicht enttäuscht werden. Chris Kunzmann (47), Chef des mittlerweile weltweit renommierten Unternehmens auf den Goerzhöfen an der Rheinstraße 45, freut sich über den hohen Besuch und fängt sofort an, ohne Punkt und Komma zu erzählen. Seine Mitarbeiter, es ist Freitagmorgen, hat er in ein verlängertes Wochenende geschickt, damit sie noch ein bisschen Kraft für die nächste Aufgabe sammeln können.

"Es ist quasi die Ruhe vor dem Sturm, turbulente Wochen stehen bevor", so Kunzmann. Die Rede ist von einem Kriegsfilm, für den allerlei knifflige Animationen hergestellt werden müssen. Mehr darf er dazu noch nicht verraten. So genau will es Angelika Schöttler, sie steht wie erstarrt vor einem riesigen Gorilla, wohl auch gar nicht wissen. Sie sagt irritiert und verblüfft sehr zur Freude Kunzmanns: "Der sieht ja beängstigend echt aus und fühlt sich auch noch so an."

Seit über 20 Jahren realisiert der gelernte Dekorateur Kunzmann mit einem je nach Aufgabenstellung angeheuertem Spezialistenteam alles, was für Film- und Fernesehproduktionen an Monstern, Aliens, Urzeitviechern, irritierend lebensecht wirkenden Tieren aller Art und Spezialeffekten verlangt wird. In Friedenau werden sozusagen die Alpträume der Traumfabrik lebendig. Riesenkrokodile, Riesenhaie, ein sprechender Elch, das Filmferkel "Rudi Rüssel", der Yeti oder die Sandwich-Werbefigur "Sub Wayne", um nur einige zu nennen, sind Kunzmanns Monsterschmiede entsprungen.

"Geboren" werden sie in der Regel unter strengem Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Auftraggeber, inzwischen gehören fast alle deutschen Fernsehsender und viele Filmstudios von Babelsberg bis Hollywood zur Kundschaft, verlangen bis zum Erscheinen auf der Leinwand oder dem Fernsehschirm zumeist höchste Geheimhaltungsstufe. Das ist aber sozusagen nur die Silikonseite der Erfolgsmedaille. ChrisCreatures gilt auch auf dem Gebiet der Digitaltechnik als viel nachgefragte Kapazität. Zum Beispiel glänzen mehrere Otto-Filme, der Luftbrückenfilm mit Heino Ferch oder Peter Maffays "Tabaluga" mit Spezialeffekten aus Friedenau. Für einen großen französischen Freizeitpark wurden bewegliche und wetterfeste Saurier in Originalgröße geliefert. "Beim Abtransport wurde die Polizei alarmiert, weil unbeteiligte Passanten Panik bekamen und nicht glauben wollten, was sie da auf dem Sattelschlepper sahen", erinnert sich der Meister der Monster voller Vergnügen. "Das glaube ich gern und sehe Filme künftig garantiert mit anderen Augen", so die Bürgermeisterin sichtlich beeindruckt.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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