Theaterprojekt für Demenzkranke startet

Michael von Jan und Christine Roth wollen mit Demenzkranken Theater spielen. (Foto: Liptau)

Friedenau. Das Nachbarschaftsheim Schöneberg will Menschen mit Demenz gemeinsam mit dem "Theater der Erfahrungen" Bestätigung und Erfolgserlebnisse bescheren. Ende April beginnen die Proben für ein Theaterstück.

Was sonst nur als Schwäche gesehen wird, kann auf der Bühne gerade eine Stärke sein: "Demenzkranke sind in vielen Situationen authentischer und haben oft Ideen, auf die andere gar nicht kommen würden", sagt Michael von Jan. Beim Nachbarschaftsheim Schöneberg in der Holsteinischen Straße koordiniert er die ehrenamtlichen Besuchsdienste für Hilfsbedürftige.Das gesellschaftliche Umdenken im Bezug auf die Krankheit Demenz sei derzeit in vollem Gange. "Das Thema wird immer präsenter und auch die wissenschaftliche Forschung arbeitet heute differenzierter als noch vor Jahren", sagt Michael von Jan. Die Erkenntnis: Erkrankte Menschen haben oft weitaus größere Fähigkeiten als das Umfeld - und sie selbst - sich oft zutrauen. "Diese müssen nur wieder geweckt werden." Einen Vorstoß in diese Richtung unternimmt das Nachbarschaftsheim Schöneberg jetzt gemeinsam mit dem Friedenauer "Theater der Erfahrungen", einer Theatergruppe von und für Senioren. Ab Ende April wollen die dortigen Laienschauspieler gemeinsam mit Demenzkranken ein Theaterstück einstudieren und im September aufführen. Das Stück selbst werden die Mitwirkenden gemeinsam entwickeln.

"Dabei werden die Schauspieler vom Theater den Rahmen vorgeben und auf die Impulse eingehen, die von den Demenzkranken kommen", erklärt von Jan. Es gehe also nicht darum, dass ein Text auswendig gelernt und auf die Bühne gebracht werde. Sondern dass sich die Teilnehmer kreativ entfalten können, ohne dass das Stück beliebig wird. "Es gibt ja unterschiedliche Ausprägungen von Demenz", so der Fachmann. Viele hätten in einem Anfangsstadium beispielsweise lediglich Probleme damit, sich räumlich oder zeitlich zurechtzufinden und sonst gebe es kaum Einschränkungen - und keinen Grund also, sich gesellschaftlich zurückzuziehen.

Im nordrhein-westfälischen Moers habe es bereits ein ähnliches Projekt gegeben. Die Beteiligten seien in der Zeit sichtbar aufgeblüht. "Weil sie mal wieder positiv im Mittelpunkt standen, ihre Fähigkeiten zeigen und Erfolgserlebnisse mit nach Hause nehmen konnten", so von Jan. In Berlin wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung finanziert. Die Teilnahme inklusive Fahrdienst ist deshalb kostenlos. Derzeit sind noch Plätze frei. Interessenten werden von den Projektleitern zunächst besucht. "Zum gegenseitigen Kennenlernen und um zu sehen, ob die Zusammenarbeit funktionieren würde", sagt von Jan. Ende April soll es schließlich ein gemeinsames Kaffeetrinken geben, bevor dann ab dem 29. April immer montags von 10.30 bis 13 Uhr beim "Theater der Erfahrungen" am Vorarlberger Damm geprobt wird.

Informationen gibt es im Internet unter www.nbhs.de und bei Michael von Jan unter 85 99 51 23

Ralf Liptau / flip
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