Am Spreetunnel ist für Reiner Pilz Schluss

Für Reiner Pilz ist an der Treppe des Spreetunnels der Ausflug zu Ende. (Foto: Ralf Drescher)

Friedrichshagen. Den Spreetunnel gibt es seit 1926. Er ersetzte eine Fähre, die bis dahin an Wochenenden Tausende Besucher zu den Restaurants am Müggelsee brachte.

Für Reiner Pilz, Vorsitzender des bezirklichen Behindertenbeirats und Rollstuhlfahrer, ist der Spreetunnel eine Barriere. "Ich erinnere mich an meine Jugend, da bin ich früher oft durchgegangen. Jetzt ist hier die Welt für mich und viele anderen Behinderten zu Ende", erzählt er mit Blick auf die Stufen.Im Vorfeld der geplanten Tunnelsanierung und der behindertengerechten Neuausschreibung der Berliner Fähren hatte sich der Behindertenbeirat an den Senat gewandt. Leider ohne Erfolg.

Ein Fahrstuhl oder Treppenlift ist nicht zu realisieren. Und für eine Fährverbindung sieht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung keinen Grund. "Eine Fähre gehört dort nicht zur Daseinsvorsorge, das Gebiet ist gut durch Straßenbahn und Bus erschlossen", wird mitgeteilt.

"Dabei sind ja nicht nur Rollstuhlfahrer betroffen. Die Oma mit Rollator kann den Spreetunnel ebenso wenig benutzen wie Radler, die mit einem schweren Elektrorad unterwegs sind", sagt Reiner Pilz. Der Bürgerverein Friedrichshagen setzt sich für eine behindertengerechte Anbindung der anderen Spreeseite ein. Die Bewohner mehrerer Seniorenheime in Friedrichshagen wären daran sicher interessiert.

Allein im Bezirk Treptow-Köpenick gibt es rund 39 000 Menschen mit Behinderungen, darunter 14 000, die auf Rollstühle und andere Hilfsmittel zur Mobilität angewiesen sind.

Reiner Pilz: "Wir könnten uns zum Beispiel eine Fähre vorstellen, die Friedrichshagen mit dem anderen Ufer und womöglich noch mit dem Restaurant Rübezahl verbindet". Bezirksverordnete sollen sich jetzt dafür stark machen, um von Bezirksseite entsprechende Forderungen an den Senat heranzutragen. "Außerdem suchen wir Verbündete im Abgeordnetenhaus, die unser Anliegen unterstützen", sagt Pilz.

Der Spreetunnel soll im kommenden Jahr umgebaut werden. Dann werden Beleuchtung und Entwässerung erneuert, bessere Handläufe und Spurrinnen für Fahrräder angebracht sowie erstmals ein Mittelgeländer installiert. Die Arbeiten sollen ohne Vollsperrung der Unterführung ausgeführt werden.


Ralf Drescher / RD
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