Senat hebt Verbot trotz guter Wasserwerte nicht auf

Friedrichshagen. Vier Jahre Arbeit und 7500 Euro aus dem Bezirkshaushalt waren umsonst. Trotz guter Messergebnisse für die Wasserqualität der Spree weigert sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, das bestehende Badeverbot aufzuheben.

Im Sommer 2004 waren die beiden seit Jahrzehnten genutzten Badestellen "Kamerun" (Hirschgarten) und "Teppich" (Müggelschlößchenweg) von der Liste der offiziellen Berliner Badestellen gestrichen worden. Grund war die Beeinträchtigung des Spreewassers durch Keime aus der Erpemündung. Außerdem wollte der Senat die im Rahmen der EU-Badegewässerrichtlinie geforderten regelmäßigen Messungen einsparen.

Weil sich die Wasserqualität verbessert hatte, hatten die Bezirksverordneten 2009 beschlossen, durch eigene Messungen nachzuweisen, dass die Spree an beiden Stellen wieder Badewasserqualität hat. Das hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bereits im Mai dieses Jahres abgelehnt. Dagegen hatte Ines Feierabend (Die Linke), Stadträtin für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Widerspruch eingelegt. Jetzt kam die endgültige Ablehnung des Senats.

"Die weiter bestehenden Risiken hinsichtlich der Überschreitung der Keimzahlen und das erhöhte Sicherheitsrisiko der stark befahrenen, schmalen Bundeswasserstraße sowie der Schutz artenreicher Flachwasserzonen stehen einer Ausweisung als offizielle Badestellen nach Berliner Badegewässerordnung entgegen", schreibt der für Umweltfragen zuständige Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) dem Bezirk.

Die meisten Fans eines erfrischenden und kostenlosen Bades in der Spree wird das amtliche Schreiben aus dem Senat vermutlich kaum interessieren. An den Standorten "Kamerun" und "Teppich" wird seit fast einem Jahrhundert gebadet - mit und oft auch ohne amtliche Zustimmung. Vor allem mit Blick auf die Tatsache, dass der Besuch von Berlins Freibädern ab 2014 stolze 5,50 Euro kosten wird, wie die Berliner Bäderbetriebe bereits signalisiert haben.


Baden mit und ohne

Ein Kommentar von Ralf Drescher


"Was macht Freude, wenn man Urlaub macht? Baden mit und ohne" sang vor 40 Jahren Wencke Myhre. Ähnlich werden es die Leute sehen, denen egal ist, ob sie auch 2014 mit oder ohne Genehmigung von Staatssekretär Gaebler in die Spree steigen. Für dessen Handeln dürfte in Treptow-Köpenick kaum jemand Verständnis haben. Natürlich ist es möglich, dass die Spree zum Beispiel nach heftigem Regen mal wieder stärker verschmutzt ist. Dann wird man im Fall der Fälle ein paar Tage auf das Baden verzichten. Aber den Schutz "artenreicher Flachwasserzonen" vorzuschieben, ist schon ein ganz besonderes Stück bürokratischen Verwaltungshandelns.

Vermutlich waren weder der Staatssekretär noch seine Mitarbeiter jemals in "Kamerun" oder am "Teppich". Sonst hätten sie gesehen, dass die einzige schützenswerte Art dort im Sommer die Füße der Badenden im sandigen Grund der Spree sind. Man könnte jetzt mutmaßen, die Badenden sollen mit dem Verbot in die defizitären Bäder des Landes Berlin gedrängt werden, um dort die teuren 5,50 Euro-Tickets für das Badevergnügen zu kaufen.


Ralf Drescher / RD
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