Am Groß-Berliner Damm gibt es eine neue Heimat für 80 Kreative

Juliana da Costa José ist die Chefin der "Kunstkaserne Berlin". (Foto: Ralf Drescher)

Johannisthal. In dem Gebäude am Groß-Berliner Damm residierte einst die Staatssicherheit, dann fast 20 Jahre die Telekom. Nun ist ein Teil des Gebäudes zur beruflichen Heimat für Künstler geworden.

Sebastian Menzke (33) ist einer von ihnen. Der Neubrandenburger, der in Wismar Produktdesign studiert hat, kam vor einem halben Jahr nach Berlin. "Ich hatte mein Atelier in Wismar bereits aufgegeben und brauchte hier Arbeitsräume. Das war ein großes Problem, oft sind Maler von Vermietern nicht erwünscht, wegen des Drecks und der Geruchsentwicklung. Da kam mir das Angebot, in die Kunstkaserne zu ziehen, gerade recht", sagt Menzke.Die "Kunstkaserne Berlin" geht auf eine Idee von Juliana da Costa José zurück. Die Mittdreißigerin stammt aus München, hat Kommunikationsdesign studiert und lebt seit 2000 in der Hauptstadt. Nachdem einer Zeit bei einer Fernsehproduktion wollte sie sich selbstständig machen und stand ebenfalls vor einem Atelierproblem. "In Berlin sind Ateliers Mangelware. Fast alle Angebote sind überteuert, befinden sich in ungeeigneten Räumen oder werden nicht an Berufsanfänger mit ungesichertem Einkommen vermietet", erzählt Juliana da Costa José. In den vergangenen Jahren hatte sie viele Künstlerkollegen kennen gelernt, die ähnliche Erfahrungen machten. Dann hatte sie die Idee mit dem eigenen Atelierhaus. Rund zwei Jahre hat sie nach geeigneten Gebäuden gesucht. "Da kam mir die Immobilie am Rand des früheren Flugplatzes Johannisthal gerade recht", erzählt sie.

Sie mietete Teile des Gebäudes an, ihre Kollegen werden Untermieter. Rund 80 Künstler haben hier bereits eine Bleibe gefunden, fast alle Ateliers sind vermietet. Leider, denn kleine Ateliers sind schon für unter 150 Euro zu haben. "Wir haben unter anderem Maler, Grafiker, Bildhauer und Videokünstler unter unserem Dach", sagt Juliana da Costa José. Von ihr stammt auch der Name "Kunstkaserne", weil das Gebäude von der DDR-Staatssicherheit militärisch genutzt wurde.

Da das Projekt gut läuft, will sich die junge Frau etwas aus der Rolle der Vermieterin zurückziehen. "Ich brauche mehr Zeit für eigene Projekte, möchte mich auch wieder der Holzbildhauerei widmen", erzählt Juliana da Costa José.

Um dann doch wieder bei der "Kunstkaserne" zu landen. Dort soll es nämlich bald gemeinsame Veranstaltungen der Künstler geben. "Ich könnte mir Ausstellungen, Workshops oder Malkurse für Fortgeschrittene vorstellen. Außerdem wird es einen Tag der offenen Ateliers geben, wenn sich unsere Künstler eingelebt haben", verspricht Juliana da Costa José.

Kontakt zum Projekt über www.kunstkaserne-berlin.com

Ralf Drescher / RD
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