"Ich entdeckte eine neue Welt"

Lothar Voigtländer komponiert in seinem Haus in der Waldenburger Straße. (Foto: hari)

Kaulsdorf. Lothar Voigtländer gehört zu den Vorreitern der elektroakustischen Musik in Deutschland. Unter anderem für sein Wirken für die moderne Musik in Deutschland und sein Werk wurde ihm am 10. Februar das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Lothar Voigtländers Leben hat viele Facetten. Er ist Honorarprofessor an der Musikhochschule Dresden und Vorstandsmitglied des deutschen Komponistenverbandes. Er hat als einer der ersten Komponisten in der DDR sich Sprachformen der elektroakustischen Musik bedient, diese entwickelt und mit zahlreichen Kompositionen publik gemacht. Er ist Träger einer Reihe von nationalen und internationalen Musikpreisen.

Seinen Lebensmittelpunkt hat der gebürtige Sachse seit 1978 in Mahlsdorf. Hier hat er in der Waldenburger Straße nahe der Kaulsdorfer Seen ein kleines Häuschen immer weiter ausgebaut, bis es seinen Bedürfnissen als Mensch und Komponist angemessen schien. In allen Räumen gibt es viel Licht und Blick in die Natur. "Ich brauche den Blick und die regelmäßigen Spaziergänge in die Natur um leben und arbeiten zu können", sagt er.

Der 1943 in Sachen geborene Sohn eines Bauunternehmers erhielt von 1954 bis 1962 eine solide musikalische Grundausbildung als Sängerknabe am Dresdener Kreuzchor. Danach waren das Studium an der Musikhochschule Leipzig und spätere Anstellungen als Kapellmeister und die Arbeit an Kompositionen fast selbstverständlich. Ein Wendepunkt in seinem Schaffen war Anfang der 70er-Jahre die erste Berührung mit elektroakustischer Musik. "Ich entdeckte eine neue musikalische Welt, in der man mit Klängen und Tönen anders spielen konnte als in der mir bis dahin bekannten Welt der von den klassischen Musikinstrumenten erzeugten Töne", erklärt er.

Die Wende in der DDR brachte auch für ihn nicht nur die fast grenzenlose Freiheit, sondern existenzielle Probleme. Ein Jahr musste er sich mit einer ABM-Stelle über Wasser halten, da die Kompositionsaufträge ausblieben.

Durch die Konzertreihen "TIME-Code" und "Café Voyage" im Kunsthaus Flora bereicherte er Anfang der 90er-Jahre die Kulturszene des Bezirks. Diese Veranstaltungen strahlten weit über den Bezirk hinaus. Die "Lange Nacht der elektronischen Klänge" war ein Treffpunkt der internationalen Szene elektroakustischer Musik und multimedialer Kunst im Kunsthaus, bis sie 1996 von der Akademie der Künste übernommen wurde.


Harald Ritter / hari
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