Entscheidung in der BVV wurde erneut vertragt

Am Vorplatz der Akademie des Jüdischen Museums wird noch gebaut. Eine noch größere Baustelle ist derzeit die Namensgebung des Areals. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Manches an dieser Debatte ist inzwischen eher zum lachen. Aber unterm Strich wird die Angelegenheit eher peinlich. Die Rede ist von der Benennung des Vorplatzes an der neuen Akademie des Jüdischen Museums in der Lindenstraße.

Seit fast einem Jahr wird darüber diskutiert. Am 20. März sollte darüber in der BVV die endgültige Entscheidung fallen. Die Abstimmung fand aber nicht statt. Vielmehr wurde das gesamte Prozedere zurück an den Kulturausschuss verwiesen.Dabei war doch eigentlich alles klar. Wie mehrfach berichtet standen zwei Vorschläge zur Auswahl. Nämlich der Philosoph und Aufklärer Moses Mendelssohn (1729-1786) und Regina Jonas (1902-1944), weltweit erste Rabbinerin, die in der Synagoge am Fraenkelufer gewirkt hat. Beide waren das Ergebnis einer Namenswerkstatt, bei der sich im Januar Bezirksverordnete, Vertreter des Bezirksamtes und des Jüdischen Museums sowie interessierte Bürger beteiligt haben. Das Jüdische Museum, auf dessen Votum der Bezirk großen Wert legt, machte von Anfang an klar, dass sein Favorit Moses Mendelssohn ist. Erst in ganz weitem Abstand folge Regina Jonas, erklärte eine Vertreterin des Museums bei der Werkstatt.

Gegen Moses Mendelssohn gibt es eigentlich auch in der BVV kaum etwas einzuwenden. Mit Ausnahme seines falschen Geschlechts. Denn es existiert ja ein BVV-Beschluss, nach dem in Friedrichshain-Kreuzberg ausschließlich weibliche Personen als Namensgeber für öffentliche Straßen oder Plätze berücksichtigt werden dürfen. Ein Beschluss, der vor allem bei Grünen, Linken und Piraten als heilig gilt. Wobei - so ganz stimmt das nicht. Denn zwei Mal wurde bereits vom Frauenpostulat abgewichen. Nämlich 2005 bei der Umbenennung von Teilen der Koch- in Rudi-Dutschke-Straße und aktuell in Friedrichshain, wo aus der Gabelsbergerstraße die Silvio-Meier-Straße werden soll.

Für den Vorplatz der Akademie sollte es eine erneute Ausnahme aber nicht geben, machte vor allem der Ausschuss für "Frauen, Gleichstellung und Queer" deutlich und forderte deshalb die Benennung nach einer Frau.

Mit diesem Vorschlag kann sich das Jüdische Museum aber mittlerweile überhaupt nicht mehr anfreunden, wie dessen Direktorin Cilly Kugelmann jetzt mitteilte. Ihr Haus stehe für eine jüdische Geschichte, die nicht auf das Religiöse reduziert werden dürfe. Das gelte gerade für die Akademie, die sich religionsübergreifenden Fragen einer Zuwanderungsgesellschaft widme. Dafür stehe kaum jemand so sehr wie Moses Mendelssohn, dessen Name außerdem eine internationale Ausstrahlung besitzt. Wie der Einwand der Direktorin zu werten sei und wer wann mit welchem Ergebnis mit Cilly Kugelmann telefoniert oder auch nicht telefoniert hat, diese Fragen sorgen auch noch für ein skurriles Beiwerk der ganzen sowieso schon sehr wirren Debatte.

Deutlich wurde aber, dass das Frauendogma auf der einen und die Klarstellung des Museums auf der anderen Seite beispielsweise die Grünen in eine Zwickmühle brachte. Daraus folgt jetzt: neue Frauennamen müssen her. Genau das hatten die Piraten bereits in den vergangenen Wochen gefordert und gleich eine ganze Liste möglicher Alternativkandidatinnen präsentiert.

Unverständnis darüber gibt es allerdings bei den Fraktionen von SPD und CDU. Sie votieren für Moses Mendelssohn, haben aber allein keine Stimmenmehrheit. "Wir wollten das ganze doch jetzt zu Ende bringen", mahnte die SPD-Bezirksverordnete Miriam Noa in der BVV noch einmal an. Und eigentlich sie die Sache doch klar. Es gelte zwischen zwei Namen auszuwählen. Aber stattdessen beginnt das Spiel noch einmal von vorne.


Thomas Frey / tf
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