Erste Bürgerveranstaltung zum Projektehaus

Plakate an der Gerhart-Hauptmann-Schule. (Foto: Frey)

Kreuzberg. Wer künftig Mieter in der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in der Reichenberger Straße werden soll, hängt nicht zuletzt vom Votum der Anwohner ab. Die waren am 27. März zu einer ersten Versammlung zu diesem Thema eingeladen.

Schon die Premiere machte aber deutlich, bis hier eine Entscheidung fällt, wird es noch einige Zeit dauern. Nicht nur weil es inzwischen 57 Bewerber gibt, von denen 31 bereits detaillierte Projekteportraits eingereicht hatten. Nur ein kleiner Teil von ihnen wird einziehen können. Selbst wenn manche Initiativen vorhaben, die Räume mit anderen zu teilen.Erschwert wird das ganze Procedere auch noch dadurch, dass das Gebäude seit Dezember besetzt ist. Unterstützer des Flüchtlingscamps vom Oranienplatz haben die einstige Schule damals okkupiert. Ob sie das Haus ohne weiteres wieder verlassen ist nicht klar. Redner aus dem Besetzerkreis machten bei der Veranstaltung deutlich, dass sie dort eigentlich bleiben wollen, denn das Thema Flüchtlinge habe sich noch nicht erledigt. Das geplante Projektehaus könne ja auch in einer anderen leer stehenden Immobilie eingerichtet werden, so der großzügige Vorschlag.

Kritik gab es auch an dem verlangten Mietpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter. Der sei vor allem für kleine Initiativen nicht aufzubringen, fanden einige Redner. Ein Vorschlag war, die künftigen Nutzer unterschiedlich zu belasten. Wer dazu in der Lage sei, solle mehr als 7,50 Euro bezahlen, andere dafür weniger. Als Alternative wäre außerdem das Abschließen eines Erbbaurechtsvertrags möglich.

Von seiner Forderung, dass das Gebäude kostendeckend unterhalten werden muss, rückt der Bezirk zumindest bisher nicht ab. "Für das Haus entstehen uns hohe sogenannte kalkulatorische Kosten, wenn es nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck, also in diesem Fall als Schule genutzt wird", machte Bürgermeister Dr. Franz Schulz (Bündnis90/Grüne) klar.

Über das, was die einzelnen Bewerber hier planen soll beim nächsten Termin Ende April gesprochen werden. An zwei Tagen hintereinander werden sich die Projekte zunächst vorstellen, ehe es in die inhaltliche Auseinandersetzung geht. Rund die Hälfte der Interessenten sind dem Bereich Soziales zuzuordnen. 30 Prozent gehören zur Sparte Kinder und Jugend. Kunst, Kultur und Handwerk machen ebenso wie Sport und sonstige Nutzungen etwa zehn Prozent der Bewerbungen aus. Alle Projekteportraits können auf der Website des Bezirks www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg nachgelesen werden.

Wer Räume bekommen soll, entscheiden die Anwohner. Auch das wurde bei der Auftaktveranstaltung noch einmal unterstrichen. Sollte es allerdings kein eindeutiges Meinungsbild geben, liegt das letzte Wort bei der BVV. Als Anwohner definiert sind Menschen, die in diesem Kiez leben. Egal wie lange schon und auch egal, welchen sonstigen Hintergrund sie haben. Das auch als Klarstellung zur Ansicht eines Redners, der sich daran störte, dass dann ja auch die Bewohner des Car Lofts in der Reichenberger Straße ein Mitspracherecht hätten.

Wie allerdings die Entscheidungsfindung konkret ablaufen soll ist ebenso noch unklar, wie weitere Fragen in diesem ganzen Verfahren. Welche spontanen Wünsche sie für das Haus haben, wurden aber bereits die Besucher der Premierenveranstaltung gefragt. Neben Aussagen wie Räume für Kultur oder ein Ort für Ideen und "keinen Zugang für die rassistische Polizei" hatte ein Nachbar ein ganz konkretes Anliegen. "Ich wünsche mir, dass egal was dort passiert, Rücksicht auf die Nachbarn genommen wird." Derzeit, so ließ er durchblicken, sei das nicht unbedingt der Fall.


Thomas Frey / tf
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