Laubenpieper an der Säntisstraße packen ihre Sachen

Resigniert packen Roswitha und Winfried Trübe nach 36 Jahren ihre Sachen und bereiten ihren Kleingarten zur Übergabe an die Planierraupe vor. (Foto: HDK)

Marienfelde. Obwohl weder das Widerspruchsverfahren abgeschlossen noch über den Einwohnerantrag zum Erhalt der Kleingartenkolonie Säntisstraße entschieden ist, kündigt Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) die Erteilung der Baugenehmigung für das Logistikzentrum auf der ersten Teilfläche des Geländes an.

Wie berichtet, sind zunächst rund 70 von insgesamt rund 250 Kleingärtnern betroffen. Sie wurden Ende September von der Bahn-Landwirtschaft Knall auf Fall aufgefordert, ihre Schollen bis Ende November zu räumen. Die Frist wurde inzwischen zwar noch um vier Wochen bis zum Jahresende verlängert. Das ändert aber an der gedrückten, mit Wut, Entsetzen, Resignation und Verzweifelung gepaarten Stimmung der betroffenen Laubenpieper natürlich gar nichts. Ihre jahrelangen Proteste, haufenweise Widersprüche von Anwohnern und selbst der von rund 3000 Tempelhof-Schöneberger Bürgern unterschriebene Einwohnerantrag wurden und werden von der rot-grünen Zählgemeinschaft im Rathaus Schöneberg schlicht ignoriert und ausgesessen. "Es ist ein Ende mit Schrecken und wir fühlen uns von den Herrschaften im Bezirksamt, insbesondere von Frau Klotz und Herrn Krömer (Klotz CDU-Vorgänger im Amt, Anm. der Red.), verraten und verkauft", bringen Roswitha und Winfried Trübe die in der Kolonie allseits vertretene Meinung auf den Punkt. Familie Trübe hat ihre liebevoll gestaltete Parzelle seit 36 Jahren, eine Menge Geld investiert und eine Menge Lebenszeit in der grünen Idylle am südlichen Stadtrand verbracht. Nun packen Roswitha und Winfried Trübe ihre Sachen, die Laube war bei Redaktionsschluss schon ausgeräumt, und stehen wie ihre Nachbarn vor dem Ende ihrer Zeit als Kleingärtner. Nicht einmal die Entschädigungen sind bislang abschließend geklärt.

Eigentlich sollte die Bezirksverordnetenversammlung über den mit Mehrheit angenommenen Einwohnerantrag am 23. Oktober entscheiden. Daraus ist nichts geworden: Die Mehrheit der rot-grünen Zählgemeinschaft hat diesen Tagesordnungspunkt in die Novembersitzung verschoben. Dazu kommt, dass das Bezirksamt bislang auch noch über keinen der vielen Widersprüche von Anwohnern der Säntisstraße und des Richard-Tauber-Damms gegen die erteilten Bauvorbescheide für das Logistikzentrum entschieden hat. "Damit dürfte der Tatbestand der Untätigkeit nach Paragraf 75 Verwaltungsgerichtsordnung hier sicherlich erfüllt sein", sagt Andreas Schwager, Sprecher der Kleingärtner. Und bezüglich des schmorenden Einwohnerantrags kündigt der CDU-Bezirksverordnete Peter Rimmler die Anrufung der Bezirksaufsicht an. "Das hilft uns auch nichts mehr, weil unsere Gärten bis dahin längst abgeräumt und plattgemacht sind", so Winfried Trübe.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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