Große Koalition erhöht Druck auf Schulschwänzer

Marzahn-Hellersdorf. SPD und CDU im Abgeordnetenhaus wollen gegen Schulschwänzer härter vorgehen. Das Rathaus reagiert auf den Vorstoß mit verhaltener Zustimmung.

Die Koalitionsfraktionen von SPD und CDU im Abgeordnetenhaus haben beschlossen, dass Schulschwänzer künftig bereits nach fünf Tagen unentschuldigter Abwesenheit beim Bezirksamt gemeldet werden. Diese Tage müssen nicht einmal hintereinander liegen. Dann droht den Eltern eine Schulversäumnisanzeige. Bisher beläuft sich die Meldepflicht auf zehn Tage.

Die härtere Gangart wird von Bürgermeister und Schulstadtrat Stefan Komoß (SPD) begrüßt. "Eine schnellere Meldung kann ich begrüßen", sagt er. Allerdings mahnt er "flankierende Maßnahmen" an. Lehrer und Eltern müssten mehr unterstützt werden.

Wie eine solche Beratung und Unterstützung aussehen kann, hat die Kerschensteiner-Schule in den vergangenen zwei Jahren erlebt. An der Schule in der Golliner Straße wurden Schulschwänzer durch das Projekt "Turakos" von der ajb GmbH begleitet. Die Finanzierung lief am 31. Dezember aus.

"In dem Projekt hatten wir zwei Jugendsozialarbeiter, die sich nur um Schulschwänzer kümmerten", sagt Jens Halfpap, Leiter der Kerschensteiner-Schule. Sie hätten Kontakt zu den Familien von Schulschwänzern gesucht und Vertrauen aufgebaut. Dann hätten sie die Schwänzer wieder an den normalen Schulbetrieb herangeführt. Zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück in der Aula der Schule, dann über die stundenweise Teilnahme am Unterricht.

"Das hat natürlich nicht bei allen geklappt", erklärt Halfpap. Der familiäre Hintergrund sei oft sehr problematisch. Besonders alleinerziehende Eltern hätten es oft schwer, Einfluss auf ihre Kinder zu nehmen. Soziale und mentale Probleme, wechselnde Partnerschaften und der eigene Bildungshorizont ließen ihnen die Kinder entgleiten, besonders wenn diese in die Pubertät kommen.

Halfpap ist entschlossen, auch dieses Jahr einen Sozialarbeiter einzustellen, der die Arbeit des Projektes weiterführt. Dazu will er Gelder aus einem Sonderprogramm des Senats für Schulen in sozialen Brennpunkten verwenden.


Harald Ritter / hari
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