Sven Kocar (34) fotografiert mit seinen Füßen

Sven Kocar fotografiert Details einer Pflanze auf dem Balkon der Wohnung seiner Eltern. (Foto: hari)

Marzahn. Ungewöhnliche Perspektiven bietet eine Foto-Ausstellung im Stadtteilzentrum "Mosaik". Der Fotograf, Sven Kocar (34), stellt im Kiez-Treff am Altlandsberger Platz seine Werke aus.

Sven Kocar bevorzugt die extreme Nahaufnahme. Mit der Makrofotografie fängt er Perspektiven ein, die sich dem Auge normalerweise kaum ergeben.

Ob Wassertropfen auf einem herbstlich gefärbten Blatt, das Innere einer Tulpe oder Schattenbildungen in einem Aquarium - alles ergibt einen satten, runden Bildeindruck. Das Abgebildete wirkt einmal naturnah, ein anderes Mal abstrakt, vieldeutig.

Die Wahl der Motive und der Fototechnik entsprechen den körperlichen Möglichkeiten des Fotografen. Sven Kocar leidet seit seiner Geburt an einer spastischen Lähmung. Er kann seine Hände kaum gebrauchen, der Fotoapparat ließe sich mit den Händen von ihm kaum ruhig führen. Stattdessen nutzt er seine Füße, um das Objektiv auszurichten, die Einstellungen vorzunehmen und den Auslöser zu betätigen.

"Es ist für mich eine Möglichkeit, kreativ zu sein", sagt Sven Kocar. Die Worte bringt er nur mit großer Anstrengung hervor, sein Gesicht wird dabei von Zuckungen durchgeschüttelt. Sein Gegenüber blickt er mit leuchtenden und wachen Augen an. Mancher Satz ist schwer verständlich. Dann hilft sein Vater Rainer. Er übersetzt und erläutert die Worte seines Sohnes.

Sven Kocar ist 34. Aufgewachsen in Marzahn besuchte er eine Schule für Körperbehinderte in Pankow und legte er an einer Gesamtschule in Birkenwerder das Abitur ab. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Mediengestalter in Potsdam.

"Sven hat immer versucht, so viel wie möglich aus sich herauszuholen und selbstständig zu sein", sagt der Vater über seinen Sohn. Hierzu gehört auch, dass er vor einigen Jahren darauf bestand, in eine eigene Wohnung zu ziehen.

Dort wird er zweimal am Tag von einem Pflegedienst betreut. Betreuer begleiten ihn auf seinen Reisen, die ihn unter anderem nach Italien, Ägypten und Norwegen führten.

Eine Festanstellung bei einer Medienagentur hatte er nur einmal, von 2007 bis 2009. "Er braucht für alles eben etwas länger als ein gesunder Menschen", erläutert der Vater. Seit 2012 ist Sven Kocar nebenberuflich Fotograf und Autor. Auch seine Texte schreibt er am Computer mit den Füßen.

Die Ausstellung ist bis zum 14. April im Stadtteilzentrum "Mosaik", Altlandsberger Platz 2, Mo-Fr, 9 bis 18 Uhr zu sehen. Mehr Informationen gibt es auf www.svocar.de.

Harald Ritter / hari
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