Bund der Steuerzahler kritisiert Moabiter Kissen

Kein Problem beim Überfahren: In der Lehrter Straße sind die Kissen kaum breiter als der Radabstand eines Pkw. (Foto: Liptau)

Moabit. Die Verkehrsberuhigung durch Moabiter Kissen vor allem in der Quitzowstraße beschäftigt jetzt auch den Berliner Bund der Steuerzahler. Wie wir berichteten, halten manche Anwohner die Aufpflasterungen für wirkungslos.

Harald Büttner ist sauer. Der Leiter des Tiefbau- und Landschaftsplanungsamts im Bezirk Mitte glaubt nicht, dass an den Moabiter Kissen, die derzeit in der Quitzowstraße zur Verkehrsberuhigung aufgepflastert werden, etwas auszusetzen ist. "Wir bauen genau das ein, was maximal rechtlich und fachlich möglich ist", sagt er. Ob das dann in jedem Fall "mit dem gesunden Volksempfinden einhergeht", könne er freilich nicht sagen. Die Kritik an den Moabiter Kissen in der Quitzowstraße hält er für "Einzelmeinungen." Konkret geht es um Aufpflasterungen auf der Fahrbahn, die die Autofahrer zur Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometer pro Stunden zwingen sollen. Philipp Schreiterer vom Verein Moabit hält sie allerdings für völlig wirkungslos, weil sie zu schmal und zu niedrig sind. Rechts und links der Kissen sei immer noch genug Platz, um einfach an ihnen vorbeizufahren. Die Verwaltung verweist hingegen darauf, dass auf beiden Seiten noch Radwege markiert werden, sodass die Fahrspur für Autofahrer schmaler werde. "Damit führen wir die Pkw über die Kissen und die Radfahrer dran vorbei", sagt Büttner. Genau so sei es in der Richtlinie zum Ausbau der Straßen (RAST) vorgegeben. Die Kissen könnten auch nicht höher gebaut werden. Manche Autos könnten sonst beschädigt werden, und die Kissen würden so eine Gefahr speziell für Motorradfahrer darstellen.

Der Bund der Steuerzahler zweifelt dennoch an der Wirksamkeit für die Verkehrsberuhigung. "Ich habe das selbst ausprobiert", sagt der Landesvorsitzende Alexander Kraus. Mit seinem "ganz normalen Kombi" könne er dort "einfach schnurstracks über die Kissen fahren, ohne abzubremsen". Ähnlich die Situation in der Lehrter Straße: Die Kissen sind dort noch schmaler, weil jede Fahrbahn eine eigene Aufpflasterung bekommt. Dadurch, so Schreiterer, gebe es für die Autofahrer erst recht keinen Grund zum Abbremsen.

Tatsächlich leuchtet dort kaum ein Bremslicht auf, bevor die Autos über die erhöhten Plateaus fahren. Doch auch in diesem Fall verweist Fachmann Büttner auf die Richtlinien: Weil dort Linienbusse fahren, dürften die Kissen nicht breiter als der Achsabstand der Busse sein. Die "Moabiter Kissen" hält er dennoch für das geeignete Mittel zur Verkehrsberuhigung. "Mein Amtsvorgänger hat die erfunden, und wir haben sie in die ganze Republik exportiert", unterstreicht er den Erfolg der Maßnahme.

Der Berliner Bund der Steuerzahler hat vom zuständigen Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) nun die Auflistung der Kosten beantragt. Büttner sieht dem "ganz gelassen" entgegen. Nennen will er die Zahlen allerdings erst, wenn die Baumaßnahmen in beiden Straßen völlig abgeschlossen sind. Stadtrat Spallek selbst hat sich zu dem Fall noch nicht geäußert.


Ralf Liptau / flip
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