Moabiter Schüler gestalteten ihr Klassenzimmer neu

Die Nazan (links) und ihre Klassenkameradin Asya lassen sich von Katharina Sütterlin zeigen, wie die Elemente der Bank zusammengeleimt werden. (Foto: Liptau)

Moabit. Eine Woche lang haben Fünftklässer der Kurt-Tucholsky-Grundschule in der Rathenower Straße gebohrt, geleimt und geschraubt. In der "Bauereigniswoche" der beiden Innenarchitektinnen Katharina Sütterlin und Susanne Wagner haben sie die neue Einrichtung ihres Klassenzimmers selbst gebaut.

"Ein Schüler aus dieser Klasse", erzählt Katharina Sütterlin, "hat am dritten Tag gesagt, dass er Schreiner werden will. Und ich glaube, das wird er auch." Mit dem Projekt "Bauereigniswoche" wollen Katharina Sütterlin und ihre Kollegin Schülern in Berlin mal so ganz andere Beschäftigungen nahe bringen. Und damit im besten Fall Begabungen aufdecken, die bisher verborgen geblieben waren. "Die wenigsten Schüler haben überhaupt schon einmal etwas in der Richtung gemacht", sagt Inga Beckmann, Klassenlehrerin der fünften Klasse an der Tucholsky-Grundschule, an der Mitte Februar eine Woche lang gewerkelt wurde. Schon im vergangenen November hatte die Klasse mit den beiden Innenarchitektinnen Ideen gesammelt für ein schöneres und funktionales Klassenzimmer. Gemeinsam haben sie einen Plan entwickelt, nach dem der Raum künftig mit Hockern, niedrigen Sitzbänken, bunten Sitzkissen und einem Plateau im hinteren Bereich ausgestattet sein sollte.

Nun haben die Schüler gemeinsam mit Handwerkern und ihrer Lehrerin Hand angelegt und die Möbel gebaut. An sechs Berliner Schulen führen Sütterlin und Wagner das Projekt derzeit durch, finanziert über den Berliner Projektfonds kulturelle Bildung.

"Wir wollten die Aktion gerade in dieser Klasse durchführen, weil es uns hier besonders wichtig schien, den sozialen Zusammenhalt zu stärken", sagt Klassenlehrerin Beckmann. "Bei der Arbeit muss einfach jeder mit jedem kommunizieren, müssen die Schüler aufeinander zugehen." Aus der Sicht der Pädagogin sei die neue Einrichtung außerdem wunderbar dafür geeignet, neue Lehr- und Lernmethoden anzuwenden. "Jedes Kind kann sich in einer anderen Position besser konzentrieren", sagt die Lehrerin. Künftig könnten sich die Schüler in Freiarbeitsphasen entscheiden, ob sie sich auf einen hohen Hocker oder vor einen niedrigen Tisch setzen wollen, ob sie sich auf das Plateau setzen oder lieber in einer ruhigen Ecke verkriechen. "Ich bin auf jeden Fall total motiviert, jetzt noch mehr andere Lernformen auszuprobieren", sagt Beckmann.

Und auch die Schüler zeigten sich zum Ende der Handwerkswoche begeistert. "Ich fand es toll, einfach mal selbst was machen zu dürfen", sagte beispielsweise die zwölfjährige Nazan. Ihr künftiger Lieblingsplatz sei sicherlich die neue Bank direkt vor dem Fenster. Ob es Streit geben werde bei der Frage, wer wo sitzen darf, kann sie nicht voraussagen. "Wir werden uns schon irgendwie einigen", sagt sie grinsend.

Weitere Informationen zur "Bauereigniswoche" gibt es unter 69 56 92 51 und auf www.bauereignis.de.

Ralf Liptau / flip
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