Familie Lange erinnert sich an besonderen Jahreswechsel

Brigitte und Richard Lange mit dem Silvestermenü von 1962, gedruckt auf eine Stoffserviette. (Foto: Ralf Drescher)

Müggelheim. Der Müggelturm bietet seit Jahren einen traurigen Anblick. Wer die Ruinen sieht, denkt kaum daran, dass hier früher rauschende Feste gefeiert wurden.

Brigitte (73) und Richard Lange (77) können sich noch daran erinnern. Eine Serviette und ein paar Bilder im Fotoalbum blieben von einer ganz besonderen Silvesterparty 1962.

"Wir waren damals grade nach Wendenschloß gezogen und konnten den ein Jahr zuvor eröffneten Müggelturm von unserer Wohnung aus sehen", erzählt Brigitte Lange. Mit viel Mühe hatte das Ehepaar Karten für die Silvesterfeier bekommen. Eine Stoffserviette mit dem Menü des Abends haben die beiden Köpenicker mit einigen Bildern im Fotoalbum aufgehoben. Das Mahl war für DDR-Verhältnisse opulent: Gefüllter Apfel nach Schweizer Art, doppelte Kraftbrühe, Zanderröllchen, Rindslende, Käsewindbeutel, Eisbecher und natürlich Pfannkuchen. In den Pfannkuchen waren Lose für die Tombola. "Wir haben eine Flasche Wein und eine Flasche Sekt gewonnen", erinnert sich Brigitte Lange.

Den Müggelturm haben die beiden nach ihrem ersten Besuch immer wieder aufgesucht, dort wurde Anfang der 80er-Jahre auch die Jugendweihe der Tochter gefeiert. Zu Spaziergängen geht es immer noch auf den Kleinen Müggelturm. "Statt 30 Minuten vor 50 Jahren brauchen wir jetzt aber vielleicht 40 Minuten", meint Richard Lange schmunzelnd.

Die beiden Rentner waren am 31. Dezember einem Tipp der Berliner Woche gefolgt und mit Freunden nach oben gegangen, um am Imbiss den Jahreswechsel zu feiern. Statt Zanderröllchen und Rindslende gab es nun Bockwurst und Pfannkuchen, was die Stimmung der rund 300 Partygäste aber nicht beeinträchtigt hat.

"Schade, dass viele der Gaststätten aus unserer Jugend wie Teufelssee oder Marienlust Geschichte sind. Wir hoffen, dass der Müggelturm doch noch restauriert wird und wir dort noch einmal schön essen gehen oder mit der Familie eine Party feiern können", sagen Brigitte und Richard Lange. Ihre Serviette mit dem Menü von 1962 haben sie inzwischen dem Museum Köpenick übergeben.


Ralf Drescher / RD
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