Vollsperrung für zwei Jahre wäre eine Katastrophe

Die Neue Fahlenbergbrücke in Müggelheim muss erneuert werden. (Foto: Ralf Drescher)

Müggelheim. Von Müggelheim in die brandenburgische Nachbargemeinde Gosen sind es mit Auto oder Bus vielleicht fünf Minuten. Falls die Neue Fahlenbergbrücke an der Stadtgrenze komplett gesperrt würde, könnten daraus schnell 60 Minuten werden.

Die 1983 errichtete Querung über den Gosener Kanal ist baufällig. Eine im August 2010 begonnene Sanierung war im Frühjahr 2011 abgebrochen worden, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Brücke wegen gravierender Schäden nicht zu reparieren ist. Nun soll ab Frühjahr 2015 eine neue Brücke gebaut werden. Bisher gibt es keine Zusage, dass die kürzeste Verbindung zwischen Berlin und Brandenburg in dieser Zeit durch eine Behelfsbrücke aufrechterhalten wird.

Deshalb werden im Müggelpark, dem Gosener Einkaufszentrum, fleißig Unterschriften gesammelt. "Eine Vollsperrung wäre für unsere Händler eine Katastrophe. Bereits die Teilsperrung während der versuchten Brückensanierung hat Berliner Kunden vom Besuch in Gosen abgeschreckt, mit negativen Folgen für unsere Geschäftsleute", erzählt Center-Managerin Gunda Kruggel. Nach ihren Angaben kommen rund 50 Prozent der Kunden aus Berlin. "Eine zweijährige Vollsperrung der Verbindung nach Berlin würde ein Teil unserer Mieter nicht überleben", meint die Managerin.

Seit Januar sind in den Geschäften des Müggelparks Unterschriften gegen eine komplette Sperrung gesammelt worden, rund 5000 sind bisher zusammengekommen. Bis Ende März wird weiter gesammelt, dann sollen die Unterschriften an die zuständige Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt übergeben werden. Die Zuständigkeiten sind das hauptsächliche Problem der Gosener. Da die Brücke in Berlin liegt und vom Geld der Berliner gebaut wird, sind politische Einflussmöglichkeiten gering. "Wir sind da komplett von Berlin abhängig. Wir haben inzwischen aber Kontakt zu der zuständigen Senatsverwaltung. Denn die Sperrung wäre eine Katastrophe. Auch für Hunderten Berliner, die ihre Kleingärten rund um Gosen und Neu-Zittau haben und für zahlreiche Gosener, die über die Brücke zur Arbeit nach Berlin fahren", sagt Horst Buch (SPD), der Bürgermeister von Gosen. Er hat sogar schon eine Möglichkeit gefunden, wo eine Ersatzbrücke errichtet werden könnte. Es gibt nämlich die alte Streckenführung der Gosener Landstraße, die als Waldparkplatz genutzt wird. Hier könnte eine Verbindung zur anderen Seite des Gosener Kanals geschlagen werden. "Wir unterstützen unsere Brandenburger Nachbarn bei der Unterschriftensammlung. Es gab übrigens bereits 2012 einen BVV-Beschluss, für die Zeit des Brückenneubaus eine Behelfsbrücke zu errichten", sagt Bürgermeister Oliver Igel (SPD).

Der Baubeginn ist für den Jahreswechsel 2014/2015 geplant. "Konkrete Planungen des Ersatzbaus liegen noch nicht vor, sodass zu einer Behelfsbrücke oder einer Umfahrung des Baufelds noch keine Aussagen gemacht werden können", teilt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, auf Nachfrage mit.

Und wie käme man nach einer Vollsperrung der Neuen Fahlenbergbrücke von Köpenick nach Gosen? Entweder über das Adlergestell und Schmöckwitz und Wernsdorf, oder über Friedrichshagen, Rahnsdorf und Erkner. Für beide Routen wären rund 60 Minuten zu kalkulieren.


Ralf Drescher / RD
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