Mobile Variante der IMAGO 1:1 im Bau

Susanna Kraus im Rohbau ihrer neuen IMAGO-Kamera. In ein paar Wochen soll sie fertig sein. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. In einer Werkstatt auf dem Areal des früheren Transformatorenwerks Oberspree wird gerade die größte Kamera der Welt nachgebaut.

Eigentlich gibt es die schon seit 1970. Sie heißt IMAGO 1:1 und wurde von Werner Kraus gebaut, einem Physiker. Konzipiert hatte er das Spezialobjektiv, um für Daimler-Benz die Arbeitstechnik von Wankelmotoren zu fotografieren. Der Autohersteller freute sich über das Patent, dann verschwand die Fototechnik im Keller des Unternehmens. Kraus ärgerte sich und baute die Kamera für künstlerische Fotografie noch einmal um und fertigte bis 1980 beliebte Porträts im Maßstab 1:1."Dann stellte Agfa die Produktion des Spezialpapiers ein, die Kamera landete in einem Museumskeller", erzählt Susanna Kraus, seine Tochter. Die Schauspielerin hat die sieben Meter lange und drei Meter breite Kamera vor einigen Jahren wiederentdeckt, einen neuen Hersteller für das Direktpositivpapier - es gibt kein Negativ - gefunden und wieder in Betrieb genommen. Die Kamera, mit der Einzel- und Gruppenporträts im Format 60x200 Zentimeter gemacht werden, erfreut sich großer Beliebtheit. "Es gibt immer wieder Anfragen, ob das IMAGO-Team nicht mit der Kamera zu Kunstfestivals oder anderen Veranstaltungen kommen könnte. Der Auf- und Abbau würde aber mehrere Tage dauern, außerdem würde die wertvolle, über 40 Jahre alte Kamera weiter abgenutzt werden. Deshalb haben wir uns zu einem transportablen Neubau entschlossen", sagt Susanna Kraus.

Und dieser wird gerade in Oberschöneweide angefertigt. Den eigentlichen Kamerabau aus Edelstahl, Aluminium und Gummitüchern hat ihr Sohn Jakob Kraus, ein ausgebildeter Bootsbauer, übernommen. Wichtige Teile wie das komplizierte Objektiv und die Blitzanlage für die Beleuchtung haben die IMAGO-Leute in Auftrag gegeben.

Mit der neuen Kamera können Susanna Kraus und ihre Mitarbeiter künftig auf Reisen gehen. Zum Transport reicht ein Kleintransporter, die Aufbauzeit beträgt sechs Stunden. Benötigt werden nur ein paar normale Steckdosen sowie Wasseranschluss und Abwasserablauf für das eingebaute Fotolabor. Wer fotografiert wird, steht übrigens nicht vor, sondern in der Kamera. Über ein Spiegelsystem sieht er sich so, wie man gleich auf das Bild kommt. Ausgelöst wird mit einem Funkauslöser, die Belichtungszeit beträgt eine Sechzigstelsekunde. Verwackeln ist da kaum möglich.

Natürlich haben die IMAGO-Porträts ihren Preis, einen dreistelligen Betrag muss man für ein Bild schon anlegen. Dafür ist das ein Unikat, es gibt kein Negativ und keine Kopie. Bevor die neue größte Fotokamera der Welt auf Reisen geht, soll sie in der Werkstatt an der Wilhelminenhofstraße ordentlich ausprobiert werden.

Wissenswertes zum IMAGO-Team, Prinzenstraße 85d, unter www.imago1to1.com.

Ralf Drescher / RD
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