Thorsten Knaak zieht in Baudenkmal in Oberschöneweide

Das Umspannwerk wurde nach Plänen von Bewag-Architekt Hans Heinrich Müller errichtet. (Foto: Ralf Drescher)

Oberschöneweide. Rund ein Dreivierteljahrhundert wurde in dem um 1930 errichteten Umspannwerk Oberspree an der Wilhelminenhofstraße Strom umgewandelt, dann standen die Räume leer. Jetzt ist Kunstgießer Thorsten Knaak hier eingezogen.

Der 48-Jährige ist ausgebildeter Ziseleur und hat gut 27 Jahre bei der bekannten Kunstgießerei Noack gearbeitet, zuletzt als Werkstattmeister. "Ich wollte dort aber nicht das 30. Firmenjubiläum feiern und endlich etwas eigenes machen", sagt Knaak. Nach einer Zwischenstation an der Rummelsburger Hauptstraße stieß er auf Oberschöneweide, und dann auf das Vattenfall gehörende alte Umspannwerk. "Durch Vermittlung des Quartiersmanagements konnte ich kurzfristig das Gebäude besichtigen und habe mich sofort in das Baudenkmal verliebt", gesteht Thorsten Knaak. Obwohl die Hallen, in denen einst Transformatoren, Leistungsschalter und Phasenschieber untergebracht waren, seit zwei Jahrzehnten leer stehen, ist die Bausubstanz noch gut erhalten. Es gab keinen Vandalismus und kaum Wasserschäden, für die Nutzung als Gießerei muss nicht viel umgebaut werden. Die Außenfassade und ein Teil der noch vorhandenen Einrichtungen müssen ohnehin aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben.

Mit Freunden und potenziellen Kunden, darunter vielen Künstlern, hat Knaak seine Ankunft in der eigenen Firma bereits gefeiert. Bis zum ersten Mal flüssige Bronze in die Formen fließt, ist noch etwas Geduld nötig. "Der Schmelzofen und die beiden Trockenöfen für die Formen sind bestellt und sollen noch vor Weihnachten geliefert werden", sagt Thorsten Knaak. Der Schmelzofen kann bis zu 300 Kilo Bronze aufnehmen, damit können bis zu 1,30 Meter große Teile gegossen werden. Großskulpturen werden ohnehin stets in mehreren Teilen gegossen und später zusammengefügt.

Ein Teil der rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche wird nicht für die Produktion gebraucht. Hier können später Künstler ihre Modelle bauen, außerdem soll es Ausstellungen mit vor Ort gefertigten Skulpturen geben. In einer der Hallen hängt ein mächtiger Kran, der früher einmal bis zu 20 Tonnen schwere Teile auf den Haken nehmen konnte. "Vielleicht bringen wir den später wieder einmal in Gang, damit er nicht nur als Dekoration in der Halle hängt", meint Thorsten Knaak.

Wissenswertes zum Gießer und seinem Projekt unter www.skulpturengiesserei.de.

Ralf Drescher / RD
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