Denkmalschutzbericht über Pankows Bausubstanz

Für Denkmalschützer ein Schmuckstück: das sanierte Spritzenhaus in Karow. (Foto: BW)

Pankow. Mit den Pankower Dörfern beschäftigt sich der neue Denkmalschutzbericht des Bezirksamtes. Erarbeitet wurde er von der Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde, Kerstin Lindstädt.

Äußerst informativ wirft die Autorin einen Blick in die Geschichte der Pankower Dörfer. Sie analysiert den Istzustand und gibt fachlich fundiert Handlungsanregungen für die Zukunft.Viele Neu-Pankower nehmen es vielleicht nicht so wahr: Aber der heutige Großbezirk entstand aus 10 eigenständigen märkischen Dörfern. Diese bilden heute 10 der 13 Ortsteile. Die anderen drei Ortsteile sind sehr viel jünger. Prenzlauer Berg entstand erst in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert auf früheren Feldern im Norden Berlins. Die Stadtrandsiedlung Malchow wurde von 1933 bis 1939 ursprünglich als Kinderreichen-Siedlung gebaut. Wilhelmsruh ist vor knapp 120 Jahren als Wohnkolonie gegründet worden.

Dagegen sind die Pankower Dörfer schon 700 Jahre alt und älter. "In Pankow haben wir es überwiegend mit Anger- und Straßendörfern zu tun", berichtet Lindstädt. In den alten Ortslagen befinden sich noch heute viele alte Häuser.

Auch Fachwerkhäuser

Die ältesten erhaltenen Gebäude sind meist die Dorfkirchen. Es gibt aber noch viele andere historische Gebäude, darunter sogar auch einige Fachwerkbauten. Markant ist in den meisten ehemaligen Dörfern, dass man noch die Hofstrukturen vorfindet. In Blankenburg, Rosenthal oder Karow finden sich sogar noch etliche komplette frühere Bauernhöfe. An diese grenzen sogar noch die ursprünglichen Gärten oder Felder.

Weil es noch so viel alte Substanz gibt, hat sich die Untere Denkmalschutzbehörde nach 1990 darum bemüht, die ehemaligen Dorfstrukturen zu erhalten. Die einstigen Dorflagen stehen deshalb komplett unter Denkmalschutz. Das ist laut Lindstädt auch nötig. Die Begehrlichkeit von Investoren, gerade in den Dorflagen neu zu bauen, ist sehr groß.

Auch wenn sich die Untere Denkmalschutzbehörde für den Erhalt der alten Bausubstanz engagiert: Nicht alles läuft reibungslos.

Manches Baudenkmal ist in einem sehr desolaten Zustand. Als Beispiel nennt Lindstädt in ihrem Bericht die ehemalige Wanderschmiede in Alt Karow 4. "In der DDR-Zeit waren das Häuschen und eine umgebende Fläche der Dorfaue verpachtet", berichtet die Denkmalschützerin. Der Pächter hatte das Grundstück eingezäunt und auf eigene Faust bauliche Erweiterungen vorgenommen. Nach der Wende ist das Baudenkmal aber völlig vernachlässigt worden.

Geschichte im Internet

Inzwischen wird geprüft, ob und wie das Gebäude wieder hergerichtet werden kann. Lindstädt hofft dabei auf die Unterstützung des Oberstufenzentrums Bautechnik. Wenige Meter weiter gibt es in Karow auch ein positives Beispiel. Der Feuerwehr-Förderverein sanierte in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde das historische Spritzenhaus im Ortskern. Das sieht inzwischen nicht nur schmuck aus, sondern beherbergt auch eine historische Feuerwehrsammlung.

Damit alle Pankower mehr über die Dörfer erfahren können, die den Großteil des Bezirks bilden, hat das Bezirksamt den neuen Denkmalschutzbericht im Internet auf http://www.berlin.de/ba-pankow/verwaltung/stadt/denkmalschutz.html veröffentlicht.

Bernd Wähner / BW
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