Kleingärtner der Anlage Famos müssen gehen

Annette Prien, Andrea Barnow, Gudrun Witschetzky und Sabine Wellhoefer engagierten sich bis zum bitteren Ende für die 18 Kleingärten in der Anlage Famos. (Foto: BW)

Pankow. Die Kleingärtner der Anlage Famos haben lange, kreativ und intensiv gekämpft, aber nun haben sie ihren Kampf endgültig verloren.

Ende Oktober müssen 18 Parzellen der 90 Jahre alten Kleingartenanlage geräumt werden. Betroffen ist eine etwa 5600 Quadratmeter große Fläche zwischen Heyn-/Brehmestraße und Görschstraße. Zu denen, die ihren Garten aufgeben müssen, gehört Annette Prien. Sie hat drei Kinder. Seit 2007 hat sie ihre Parzelle. "Dass wir nun runter müssen, macht uns sehr traurig", sagt sie. Ihren Gartennachbarn geht es nicht anders. Von den Älteren haben manche mehr als 30 Jahre ihren Garten gehabt.Dass ihre grüne Oasen nun einem Neubau der Baugemeinschaft "Himmel und Erde" weichen sollen, ist für sie unfassbar. "Da wird zuerst Stadtgrün vernichtet und dann wird ein Wohnhaus gebaut, dass angeblich ökologisch sein soll", so Annette Prien. Dass die 18 Parzellen einem Wohnhaus geopfert werden, daran trägt nach Auffassung der Famos-Kleingärtner und ihres Bezirksverbandes das Bezirksamt ein Stück Mitschuld. Die Grundstücke, auf denen sich die gesamte Anlage Famos befindet, gehörten der Deutschen Bahn AG. Für diesen Bereich hatte das Bezirksamt Anfang 2000 einen Bebauungsplan in Angriff genommen. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen waren ausgerechnet die 18 Parzellen, die jetzt geräumt werden müssen, nicht Bestandteil des Bebauungsplanes. Irgendwann sagte sich die Bahn offenbar: Der Pachtzins für Kleingärten ist recht überschaubar. Mit dem Verkauf eines Baugrundstücks kann man mehr einnehmen. Einen Interessenten fand man mit der Baugemeinschaft. Diese stellte eine Bauvoranfrage an das Bezirksamt für den Bau eines Mehrfamilienhauses. Die Genehmigungsbehörde prüfte und beschied die Bauvoranfrage positiv. Damit war das Ende der 18 Kleingärten eingeläutet.

In einer aktuellen Stunde auf der jüngsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erklärte der damalige Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Die Linke), dass er die politische Verantwortung für die Entscheidung übernehme. Mit seinem heutigen Kenntnisstand würde er anders entscheiden, sagte er. Nach dem positiven Bauvorbescheid kündigte die Bahn dem Bezirksverband der Kleingärtner den Pachtvertrag. Allerdings schöpfte der Bezirksverband alle rechtlichen Möglichkeiten aus, berichtet der Vorsitzende Wolfgang Wölfer. Es gab Widerspruchsverfahren gegen Kündigung und Bauvorbescheid.

Als mitten im Rechtsstreit im zurückliegenden Sommer das Bezirksamt der Baugemeinschaft die Baugenehmigung erteilte, musste der Rechtsstreit mit der Deutschen Bahn allerdings mit einem Vergleich beendet werden. Das machte Wolfgang Wölfer wie auch die Kleingärtner richtig sauer. Sie fühlen sich vom Bezirksamt im Stich gelassen. Der heutige Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Die Grünen) machte allerdings klar: Nach dem positiven Bauvorbescheid hatte der Bezirk gar keine andere Möglichkeit. Die Verordneten wollen nun nach dem verlorenen Kampf um die Famos-Parzellen Vorsorge treffen. So etwas darf es, so der Tenor, nicht noch einmal geben. Für alle bestehenden Anlagen sollen Schutzmechanismen geschaffen werden.

Die Famos-Kleingärtner sammelten in den vergangenen Monaten 18 000 Unterschriften für den Erhalt ihrer Gärten. Dieser riesige Zuspruch motivierte sie, weiter zu kämpfen. Nun ist dieser Kampf zu Ende. Verbandschef Wolfgang Wölfer erklärt, dass man in Zusammenarbeit mit den Bezirksverbänden Prenzlauer Berg und Weißensee den 18 betroffenen Familien in den kommenden Monaten neue Kleingärten anbieten werde.


Bernd Wähner / BW
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