Clarissa Roeser arbeitete in einem Kinderheim in Tansania

Stolz zeigen die Waisenkinder ihrer bemalten T-Shirts. Die Idee dazu hatte die Reinickendorferin Clarissa Roeser, sie kaufte T-Shirts und Stofffarbe. (Foto: privat)
 
Sieben Wochen verbrachte Clarissa Roeser (20) in Tansania. (Foto: privat)

Reinickendorf. Clarissa Roeser aus Reinickendorf ging als Volunteer nach Ostafrika. Zurück kam sie mit unvergesslichen Eindrücken und wertvollen Erfahrungen.

Die Jungs sind begeistert. Mit Hämmern haben die Heimkinder gerade die Pfosten für einen neuen Gartenzaun in den Boden gerammt, Draht gespannt und Setzlinge eingepflanzt. Hinter dem Zaun entsteht ein Gemüsegarten, in dem Salat, Rüben und vieles mehr für die Küche des Kinderheimes angebaut werden. Angeleitet werden die Kinder von Clarissa Roeser. Die 20-jährige Reinickendorferin arbeitete im vergangenen Jahr sieben Wochen lang als Freiwillige in Arusha, einer Großstadt im Nordosten Tansanias. Ihr Wunschprojekt fand sie auf www.ausland.org von "VoluNation", einer sozialen Gesellschaft für Freiwilligendienste. Sie bietet motivierten, meist jungen Menschen die Möglichkeit, abseits von touristischen Pfaden Erfahrungen im Ausland zu sammeln und sich gleichzeitig sozial zu engagieren. Clarissa Roeser entschied sich für die Arbeit in dem Kinderheim. Dort leben etwa 40 Kinder und Jugendliche zwischen drei und 16 Jahren. "Ihre Eltern können sich nicht um sie kümmern oder leben nicht mehr", erzählt Clarissa Roeser. Jeden Morgen um neun Uhr begann ihr Arbeitstag. Als erstes holte sie die Kinder aus dem Klassenraum, der zum Heim gehört. Hier werden die Mädchen und Jungen im Grundschulalter von einer Lehrerin unterrichtet. Bis zur morgendlichen Ankunft der Freiwilligen halten sich auch die Jüngeren im Klassenzimmer auf, weil es keinen Kindergarten gibt. "Wir sind dann mit den Kleinen auf den Hof oder in ein anderes Zimmer gegangen, haben mit Legosteinen oder Holzklötzen gespielt und uns mit ihnen beschäftigt", berichtet die junge Frau.

Dass die älteren Kinder vormittags beim Gemüsegarten mithelfen konnten, offenbart ein Problem in Tansania: Die weiterführenden Schulen kosten Geld, das vom Kinderheim nicht für jedes Kind gezahlt werden kann. Diese Heimkinder haben keine Möglichkeit, nach der Grundschulzeit eine weitere Schule zu besuchen. Einige Freiwillige spenden daher sogar Geld, damit ihre Schützlinge die Chance haben, eine Schule zu besuchen.

Gegen 12 Uhr wird in dem Kinderheim dann das Mittagessen serviert. Auch diese Aufgabe übernehmen Freiwillige wie Clarissa Roeser. Jedes Kind bekommt aus einem Riesentopf einen Plastikbecher voll Getreidebrei, der von der Köchin des Kinderheims jeden Tag zubereitet wird. Danach geht der Unterricht für die Grundschüler weiter, während für die Kleinen das tägliche Bad ansteht. Das Duschen, Abtrocknen und Anziehen zählte für Clarissa Roeser zu den besonders lebhaften Momenten, denn oft hatten die T-Shirts, Hosen oder Kleider, die sie den Kindern bereitlegte, die verkehrte Farbe und die Kids wollten viel lieber das anziehen, was gerade der beste Freund anhatte. Sie kaufte deshalb Stofffarben und T-Shirts, die die Kinder im Kunstunterricht bunt bemalen durften.

Ihre Freizeit und die Wochenenden verbrachte Clarissa Roeser mit den anderen Freiwilligen von "VoluNation". Sie unternahmen Ausflüge mit dem Überlandbus nach Mombasa, fuhren die kenianische Küste entlang oder nahmen an einer Safari teil. Das bewegendste Erlebnis war jedoch die Begegnung mit dem siebenjährigen Bryson, der in seiner Entwicklung zurückgeblieben ist und deshalb von den anderen Kindern oft zurückgewiesen wurde. Clarissa Roeser kümmerte sich um ihn und schloss ihn in ihr Herz. Mit viel Engagement fanden die Freiwilligen eine Grundschule in Arusha, die auch Kinder mit Einschränkungen unterrichtet. Dort fand Bryson einen Platz. Der Kontakt zu dem Jungen änderte Clarissa Roesers Berufswunsch. Ihren Plan, Medizinerin zu werden, ließ sie fallen. Nach ihrer Rückkehr aus Tansania begann sie an der Humboldt-Universität Rehabilitationspädagogik zu studieren. "Ich möchte später mit Menschen mit Behinderungen arbeiten", sagt sie.


Ulrike Kiefert / uk
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