Beim Pralinenhersteller glauben jedoch viele an den Weiterbetrieb

Tegel. Der traditionsreiche Pralinenhersteller Sawade an der Wittestraße 26 e ist insolvent. Gleichwohl glauben Experten und die kommunale Politik, dass die 50 Arbeitsplätze noch zu retten sind.

Die Insolvenz von Sawade wurde am 30. Juli bekannt. Zugleich teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Torsten Martini mit, dass der Betrieb zunächst fortgeführt werden soll. An der Wittestraße werden täglich bis zu zwei Tonnen Pralinen und Marzipan produziert. Laut Martini überzeugt das Unternehmen nach wie vor mit guten Produkten und moderner Produktion. Dennoch hat Sawade in den vergangenen Jahren wichtige Kunden verloren. Es habe keinen vernünftigen Vertrieb und kein richtiges Marketing gegeben, so Martini. Zudem sei wenig investiert worden. Martini ist deshalb jetzt auf der Suche nach neuen Investoren, die insbesondere den Vertrieb weiter ausbauen. Auch Wirtschaftsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD) ist optimistisch, dass das Unternehmen weiter am Markt bleibt. So ist das Grundstück, auf dem produziert wird, Eigentum von Sawade. Er hat der Firma seine Unterstützung angeboten, etwa beim Vermitteln von Kontakten.

Sawade gehört zu den traditionsreichsten Berliner Unternehmen. 1880 wurde es Unter den Linden 19 gegründet. Die feine Berliner Gesellschaft ließ sich gerne mit den Köstlichkeiten aus Schokolade und anderen erlesenen Zutaten verwöhnen. Schon bald nach der Gründung warb Sawade damit, Hoflieferant zu sein. Prinz Wilhelm von Preußen gehörte zu den Kunden. Der Zweite Weltkrieg hatte dem Unternehmen zunächst den Garaus gemacht. Der Sitz an Berlins prominentester Straße war verloren, die Nachkriegs-Berliner wurden mit dem kulinarischen Luxus vom Rüdesheimer Platz aus versorgt, wo die Pralinenherstellung auf Wohnungsgröße geschrumpft war. 1953 übernahm der ehemalige Sawade-Verkäufer Ulrich Spengler die Firma und hob mit raffinierten Rezepturen zu einem unternehmerischen Höhenflug ab. Es entstanden Produktionsstätten in Charlottenburg, Schöneberg und Kreuzberg, die 1972 auf dem Gelände an der Wittestraße zusammengefasst wurden, wo bis heute produziert wird - und wenn es nach dem Willen von Mitarbeitern und Insolvenzverwalter geht, auch weiterhin.


Christian Schindler / CS
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