VfL Tegel sammelt Unterschriften gegen IOC-Entscheidung

Er ist definitiv ein Leidtragender der Entscheidung: der sehr talentierte Jason Hill vom VfL Tegel. (Foto: Nittel)

Tegel. Diese Nachricht sorgte bei Sportlern, Fans und Verbänden gleichermaßen für Entsetzen: Ringen, eine der wenigen Sportarten, die es bereits in der Antike bei Olympischen Spielen gab und die als älteste Zweikampfsportart gilt, ist ab 2020 nicht mehr olympisch.

Das hat der Exekutivausschuss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Februar entschieden. Weltweit war es daraufhin zu Protesten gekommen - mehrere Olympiasieger haben ihre Medaillen zurückgegeben. Auch beim VfL Tegel, in Reinickendorf die Nummer eins im Ringersport, ist man bestürzt. Mit Jason Hill, Alina Tischer und Clara Becher konnten drei Athleten aufgrund ihrer Leistung in den Olympiastützpunkt Frankfurt/Oder wechseln. Freistilringer Mick Schrauber wird in Luckenwald ausgebildet. Und nach den Sommerferien sollen Joshua Morodion, Jan Beckmann und Jan Weidemann in ein Eliteinternat wechseln. Damit hätte man sieben heiße Eisen im Feuer und berechtigte Hoffnungen, mindestens einen Ringer auch nach 2020 auf einer olympischen Matte kämpfen zu sehen, erklärt VfL-Pressewart Hans Welge. Die sportliche Zielsetzung und damit auch Motivation jedes Ringers, der talentiert genug ist, könne auch aufgrund der Historie nur Olympia sein. Keine Europa- oder Weltmeisterschaft wird dieses Ziel ersetzen können.

In den letzten Jahren konnten die Ringer vom VfL Tegel auch dank der Unterstützung der Alfred-Brehm-, der Havelmüller- und der Hoffmann-von-Fallersleben Grundschule einen 30-prozentigen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen.

Ringen ist ein Sport, der Kindern Selbstvertrauen gibt und ihren Charakter in hohem Maß schult. Respekt vor dem Gegner zu haben, ist eines der ersten Dinge, die junge Athleten lernen. Auch deshalb wird die Nachwuchsförderung beim VfL seit Jahrzehnten großgeschrieben. Und all das ist nun in Gefahr. Manfred Werner, Präsident des Deutschen Ringer-Bundes, findet deutliche Worte: Ringen sei Teil des olympischen Erbgutes, heißt es in einem offenen Brief an IOC-Vizepräsident Dr. Thomas Bach. "Dies mit einer uns bisher nicht völlig transparenten Entscheidung abzutun, ist nicht nur unverständlich, sondern in unseren Augen fast schon ein Skandal."

Neben dem Vorwurf der fehlenden Attraktivität soll den Ringern seitens des IOC unterstellt worden sein, den Anti-Doping-Kampf halbherzig geführt zu haben. Fakt ist: keine Sportart kann sich zurzeit davon freisprechen, ein Dopingproblem zu haben. Darüber hinaus spricht beim IOC niemand davon, zum Beispiel den Radrennsport bei Olympia streichen, einen Sport, der durch immer neue Dopingbeichten und Skandale seine Glaubwürdigkeit schon lange verloren hat.

Beim VfL Tegel kämpft man mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Ringens im olympischen Programm.

Nähere Informationen gibt es unter www.vfl-tegel.de

Michael Nittel / min
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