Architekturführer zur Nachkriegsmoderne erschienen

Schöneberg. Zwei Städte, zwei architektonische Konzepte, ein Ziel: Die Zukunft sollte nach dem Krieg in beiden Teilen Berlins besser sein als die Gegenwart - und natürlich als die Vergangenheit. Ein neuer Architekturführer zeigt, wie dieses Zukunftsversprechen das Baugeschehen jahrzehntelang geprägt hat.

Zur Zeit der Teilung Berlins spielte Schöneberg nicht nur politisch - wegen seines Rathauses - eine wichtige Rolle. Auch in Sachen Architektur ist einiges entstanden, was damals für Aufsehen sorgte und es verdient hat, heute wiederentdeckt zu werden. Der neue Architekturführer, den die TU-Professoren Adrian von Buttlar, Kerstin Wittmann-Englert und Gabi Dolff-Bonekämper gerade herausgegeben haben, könnte dazu einen Beitrag leisten. Denn wer beispielsweise an der grauen Wohnanlage zwischen Dominicus-, Feurig- und Ebersstraße nahe des S-Bahnhofs Schöneberg vorbeiläuft, mag unter Umständen nicht sofort erkennen, dass es sich bei den Ende der 70er-Jahre errichteten Wohnbauten um hochwertige Architektur handelt. Während der Sichtbeton-Bau nach außen hin sehr geschlossen, fast abweisend wirkt, wird er in den Innenhöfen von einem ausgeklügelten System aufeinander gestapelter Terrassen bestimmt.

Ganz in der Nähe - auch das erschließt sich nicht sofort - hat das Architekturbüro Fehling, Gogel. Pfankuch seinen Teil zur Architekturgeschichte beigetragen: An der Ecke Dominicus-, Hauptstraße hat es in den frühen 60er-Jahren zwei Neubauten auf der Schöneberger "Kircheninsel" errichtet: die katholische St. Norbert- und die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche. Beide beeindrucken durch ihre Optik aus anscheinend frei gegeneinander gestellten, riesigen Betonscheiben.

auch für den Rest der Stadt macht die Auswahl in dem fast 450 Seiten starken Architekturführer deutlich, dass es einiges aus der Zeit zwischen 1949 und 1979 zu entdecken gibt. Die drei Jahrzehnte stecken einen Zeitraum ab, zu dessen Beginn die Teilung durch die Staatsgründungen von Bundesrepublik und DDR manifestiert worden war. Der Zeitraum endet mit dem Beginn der Planungen für die zweite Internationale Bauausstellung in Westberlin (IBA), mit der die Abkehr von modernen Architekturidealen verbunden wird. Die aufgeführten Bauten, die von gleich 48 Autoren beschrieben werden, sind unterteilt in Kategorien wie "Religionsbauten", "Bauten der Kultur", "Verkehrsbauten" oder "Einfamilienhäuser". Im hinteren Teil des Buchs kann sich der Leser an mehreren Kartenausschnitten individuelle Architekturspaziergänge zusammenstellen - beispielsweise durch Schöneberg und die direkt angrenzenden Kieze.

Der Architekturführer "Baukunst der Nachkriegsmoderne", erschienen im Reimer-Verlag, kostet 29,95 Euro.

Ralf Liptau / flip
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