Bezirksamt und Verbraucherzentrale kooperieren in der Beratung

Stadträtin Sibyll Klotz und Eva Bell vom Vorstand der Berliner Verbraucherzentrale unterzeichneten einen neuen Kooperationsvertrag. (Foto: Liptau)

Tempelhof-Schöneberg. Sozialstadträtin Sibyll Klotz (B’90/Grüne) und Eva Bell, Vorstand der Verbraucherzentrale Berlin, haben eine Kooperationsvereinbarung für ein besseres Angebot in der Schuldner- und Insolvenzberatung unterzeichnet.

Wer im Bezirk wohnt und keine Kohle mehr hat, geht zur Verbraucherzentrale. Seit eineinhalb Jahrzehnten arbeitet sie mit dem Bezirksamt zusammen, immer im Kampf gegen die Überschuldung von Privatpersonen. Die Zuwendung, die das Bezirksamt dafür jährlich vom Senat an die Verbraucherzentrale weiterreicht, beträgt 570 000 Euro. "Der Bedarf ist allerdings deutlich höher", beklagt Klotz. Kürzlich veröffentlichte Zahlen zeigen: Abgesehen von Bremen ist Berlin bundesweit absoluter Spitzenreiter bei der privaten Verschuldung. Rund zwölfeinhalb Prozent der Berliner sind überschuldet, können ihre Rechnungen also in absehbarer Zeit nicht begleichen. Zum Vergleich: In Bayern sind es knapp sieben Prozent. Aus Anlass dieser Zahlen haben Bezirk und Verbraucherzentrale nun ihre Zusammenarbeit neu überdacht und eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, die die Arbeit, so Klotz, "möglichst reibungslos und effektiv" gestalten soll. Vorgesehen ist beispielsweise, dass Mitarbeiter des Jobcenters einmal pro Jahr im Umgang mit dem Thema geschult werden. Schließlich ist Arbeitslosigkeit die Hauptursache für prekäre Situationen. Außerdem bietet die Schulderberatung der Verbraucherzentrale wöchentlich eine offene Sprechstunde vor allem für die Jobcenter-Kunden aus dem Bezirk an.

Denn in Tempelhof-Schöneberg, so Oliver Rieck, Leiter der Schuldnerberatung, sei Überschuldung ein brennendes Problem. Knapp elf Prozent der Bevölkerung komme mit dem Geld nicht aus. Bei knapp 340 000 Einwohnern, also gut 30000 Menschen. 2012 hat die Verbraucherzentrale rund 5300 Einzelberatungen geführt und gut 3400 Beratungen in laufenden Fällen. "Wir sehen hier also nur die Spitze des Eisbergs", so Rieck.

Stadträtin Klotz fordert derweil, dass der Senat auch für präventive Maßnahmen Mittel zur Verfügung stellt. "In den Schulen wächst gerade eine neue Zielgruppe an Schuldnern heran."


Ralf Liptau / flip
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