Bezirksverordnete uneins über neue Fassade des Philips-Hochhauses

Schöneberg. Das Gerüst um das Philips-Hochhaus an der Lietzenburger, Ecke Kleiststraße wird teils abgenommen und gibt den Blick auf die neue Fassade des 70er-Jahre-Baus frei. Deren dunkle Gestaltung findet nicht nur Freunde.

Wenn das 73 Meter hohe Haus im Sommer voll saniert und von der spanischen Hotelkette "Riu" bezogen ist, könnte wenigstens die Orientierung in der City-West erleichtert sein. Touristen, die sich etwa auf dem Wittenbergplatz nach dem Weg in Richtung Schöneberg erkundigen, könne man sagen: "Einfach Richtung schwarzer Klotz." Das befürchtete zumindest Christoph Götz von der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Bei der für Stadtentwicklung zuständigen Stadträtin Sibyll Klotz (Bündnis 90/Grüne) hat er sich deshalb erkundigt, ob man die dunkle Fassade nicht hätte verhindern können. Klotz erklärte, dass ihre Verwaltung keinen Einfluss gehabt habe. Eingriffe in die Planung seien nur möglich, wenn für das Vorhaben planungsrechtliche Befreiungen oder das Aufstellen eines neuen Bebauungsplans nötig seien. "Beides trifft beim Umbau des Philips-Hochhauses nicht zu." Schließlich werde hier lediglich ein Bestandsgebäude durch eine im Kerngebiet zulässige Nutzung als Hotel umgebaut. Die Berliner Bauordnung sieht Eingriffsmöglichkeiten nur vor, wenn "die Schwelle von der bloßen Unschönheit zu einer den Geschmackssinn verletzenden Hässlichkeit überschritten ist". So steht es zumindest in der Kommentierung des Gesetzestextes. Ihre persönliche Meinung wollte die Stadträtin nicht sagen. "Natürlich hätte sich das Bezirksamt auch eine helle Fassade vorstellen können." In der modernen Architektur sei die Verwendung dunkler Töne allerdings nicht ungewöhnlich.

Grünen-Fraktionschef Jörn Oltmann ärgerte sich über die Kritik der SPD. Der Stadtentwicklungspolitiker Götz müsse schließlich wissen, wie beschränkt die Einflussmöglichkeiten seien. Offenbar habe er sich "dumm gestellt". Auch die CDU ist der Fassade gegenüber aufgeschlossener. Der Verordnete Peter Rimmler meint, Ziel der Bezirkspolitik könne nicht sein, architektonischen Gestaltungsfreiraum "durch behördliche Vorgaben einzugrenzen".


Ralf Liptau / flip
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden