Evangelische Paul-Gerhardt-Kirche ist Denkmal des Monats Januar

Die Paul-Gerhardt-Kirche an der Hauptstraße. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Gemeinsam mit der Unteren Denkmalschutzbehörde stellt die Berliner Woche regelmäßig ein "Denkmal des Monats" im Bezirk vor. Im Januar ist es die Paul-Gerhardt-Kirche an der Hauptstraße. Sie wurde kürzlich 50 Jahre alt.

"Denkmalwert aus stadtgeschichtlichen und architekturhistorischen Gründen sowie wegen ihrer Bedeutung für das Stadtbild", urteilt die Datenbank der Unteren Denkmalschutzbehörde. Auch wenn die evangelische Paul-Gerhardt-Kirche, abgerückt von der tosenden Hauptstraße zwischen der Alten Dorfkirche und der katholischen St. Norbert-Kirche derzeit im Dornröschenschlaf schlummert: Ein Juwel ist sie. Die Architekten Hermann Fehling, Daniel Gogel und Peter Pfankuch entwarfen ab 1958 einen Bau aus unregelmäßig übereinander geschichteten Elementen aus Stahl- und Sichtbeton sowie massigen, rau verputzten Wänden. Außen wie innen erscheint der 1962 geweihte Bau damit als Fels, in dessen Höhle sich die Gemeinde geschützt zusammenfinden kann. Die Lichtführung durch sparsam eingesetzte, innen verteilte Wandöffnungen verleiht dem Raum seine aus der Alltagswelt herausgehobene Stimmung.

Städtebaulich ist der Bau als Teil der "Kircheninsel" mit Dorfkirche und St. Norbert-Kirche von Bedeutung. Die Gebäude entstanden anstelle zweier im Krieg teilzerstörten Vorgängerbauten. Als die Gemeinden zu Beginn des 20. Jahrhunderts stark wuchsen, hatten sie um die Alte Dorfkirche herum neue Gotteshäuser bauen lassen. Ein Teil der früheren St. Norbert-Kirche ist noch heute an der Dominicusstraße zu sehen. Sie wurde nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg erheblich umgebaut - ebenfalls durch die Architekten Fehling, Gogel und Pfankuch. Die Ruine der alten Paul-Gerhardt-Kirche, deren enormer Turm früher die Straßenecke beherrschte und spöttisch "Thermoskanne" oder "Leuchtturm" genannt wurde, ist nach dem Krieg beinahe komplett abgeräumt worden.

Nur eine Apsis der alten Kirche wird im Neubau als Kapelle genutzt. Und ist heute frequentierter als der eigentliche Kirchenbau. "Viele unserer Gemeindeaktivitäten finden inzwischen in der Alten Dorfkirche statt. Oder eben in dieser Kapelle", sagt Volker Georg Buismann, Gemeindeglied und Fachmann für die Architektur vor Ort. Im großen Kirchenraum der neuen Paul-Gerhardt-Kirche finden nur noch selten Veranstaltungen statt. Die Gemeinde ist von rund 20 000 Mitgliedern in den 1960er-Jahren auf knapp 4000 geschrumpft. Sonntags kommen noch knapp 30 Besucher zum Gottesdienst, die große Kirche bleibt meistens zu. Zumindest bis 2014. Dann wird voraussichtlich die Superintendentur des Kirchenkreises in einen Teil der Verwaltungsräume um die Kirche herum ziehen. Dann soll auch in den 60er-Jahre-Bau neues Leben einziehen. "Wie genau, das wissen wir noch nicht", sagt Buismann. Vielleicht werde man einen Teil des Kirchenraums abtrennen, um ihn anders zu nutzen.

Eine Übersicht aller bisher vorgestellten Denkmäler gibt es auf der Homepage des Bezirksamts: www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/.

Ralf Liptau / flip
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