MedienPoint erinnert an die "Mutter aller Flughäfen"

Der soziale Buchladen hält auch jede Menge Literatur zum Thema Fliegen und Flughafen Tempelhof bereit. (Foto: HDK)

Tempelhof. Nach der weltberühmten Formulierung von Sir Norman Foster, wonach der einstige Tempelhofer Innenstadt-Airport die "Mutter aller Flughäfen" sei, hat man Muttis 90. Geburtstag am 8. Oktober entweder weithin vergessen oder schlicht verdrängt.

Für den sozialen Buchladen MedienPoint in der Werderstraße 13, ist es aber der gegebene Anlass für eine Ausstellung. Der absolute Hingucker ist dabei das Schaufenster. Horst Linstedt Und Tibor Loibl haben mit viel Liebe zum Detail einen mit Modellfliegern bestückten Teil des Flughafens nachgebaut. Dazu hat MedienPoint-Frontmann Henning Hamann Fotos, Dokumente und jede Menge Literatur zum Thema anzubieten. 1922 wurde mit dem Ausbau des Tempelhofer Feldes, zuvor Exerzier- und Paradespielplatz der Preußenkönige, zu einem Flughafen begonnen. Nach nur rund einem Jahr Bauzeit wurde er Anfang Oktober 1923 in Betrieb genommen - gleichsam die Geburtsstunde des internationalen Luftverkehrs.

Allerdings startete der erste Motorflug auf dem Tempelhofer Feld schon viel früher. Bereits im Herbst 1909 hatte Orville Wright die Berliner mit Demonstrationsflügen begeistert, bei denen er unter anderem den einen Höhenweltrekord von 172 Metern aufstellte und sich mit seiner fliegenden Kiste erstmals über anderthalb Stunden in der Luft hielt. Wenige Wochen später hob Hubert Latham zum ersten Streckenflug von Tempelhof über Rixdorf und Britz zum Flugplatz Johannisthal ab.

Von der späteren Form, Größe und Bedeutung noch ein paar Flugstunden entfernt, wurden zunächst zwei je 1000 Quadratmeter große Flugzeughallen sowie eine Holzbaracke für die Abfertigung der Fluggäste und ein vergleichsweise mickriges 200 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude gebaut. Darin waren der Abfertigungsschalter, ein Aufenthaltsraum, Polizeiflugwache und Wetterwarte sowie ein Sanitätsraum untergebracht.

Im ersten Tempelhofer Betriebsjahr wurden rund 100 Starts und Landungen mit einem Passagieraufkommen von insgesamt 150 Personen registriert. Seinerzeit eine sensationelle Zahl. Aber die Entwicklung der Luftfahrt nahm den bekannt rasanten Verlauf. Schon bald wurde Tempelhof die Drehscheibe des europäischen Luftverkehrs und war schnell zu klein. Für das Management des Ausbaus und weiteren Betriebs wurde 1924 die noch heute bestehende Berliner Flughafen GmbH gegründet. Nach mehreren Aus- und Umbauten entstand von 1936 bis 1941 das Flughafenensemble in seiner heutigen Form. Ende der 1940er Jahre wurde der Flughafen Tempelhof als Symbol des Kalten Krieges schließlich weltberühmt und erlangte durch die westalliierte Luftbrücke während der sowjetischen Berlin-Blockade eine historische Dimension, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Ende Oktober 2008 wurde der Betrieb eingestellt.

Noch bis zum 30. Oktober ist die Ausstellung montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, zu besichtigen. Der Eintritt ist frei, 78 89 31 94.

Horst-Dieter Keitel / hdk
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