Neue Tempelhof-Schöneberg-Verbindung eingeweiht

Die Stadträte Sibyll Klotz und Daniel Krüger sowie Bürgermeisterin Angelika Schöttler und Senator Michael Müller zerschnitten das symbolische Band. (Foto: HDK)

Tempelhof-Schöneberg. Berlins Stadtplan ist um eine Promenade reicher. Wie berichtet, ist der neue, Tempelhof und Schöneberg verbindende Ost-West-Grünzug fertig, heißt Hertha-Block-Promenade und wurde am 8. November offiziell der Öffentlichkeit übergeben.

Damit ist nach etwa dreijähriger Bauzeit nun das erste Großprojekt im Rahmen des Stadtumbaus West eingeweiht worden. Das knapp fünf Millionen Euro teure Projekt wurde vom Bezirk unter Beteiligung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt im Rahmen des Bund-Länder-Programms Stadtumbau West und mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung realisiert. Dabei handelt es sich um eine rund 600 Meter lange, in Grünanlagen eingebettete Fuß- und Radwegverbindung zwischen der Gontermannstraße in Neu-Tempelhof und dem Leuthener Platz auf der "Schöneberger Insel". Um das in einem Stück hinzukriegen, wurde extra eine aus Stahlrohren konstruierte Brücke, der Alfred-Lion-Steg, nur für Fußgänger und Radfahrer, über die nebeneinander liegenden Gleise der Anhalter, Dresdener und S-Bahn montiert.

Trotz unfreundlicher Temperaturen entwickelte sich die Einweihungsfeier mit Stadtentwicklungssenator Michael Müller und Tempelhof-Schönebergs Bürgermeisterin Angelika Schöttler (beide SPD), Stadtentwicklungsstadträtin Sybill Klotz (Bündnis 90/Grüne) und Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) zu einem kleinen Kiezfest mit Livemusik, heißem Kaffee und belegten Schrippen.

Die neue Promenade wurde nach der Bibliothekarin Hertha Block benannt, die während der NS-Zeit im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller Widerstand leistete und 1933 acht Wochen im SA-Gefängnis in der General-Pape-Straße eingekerkert war. Im September 1936 wurde sie aus dem Öffentlichen Dienst entlassen. 1936 wurde sie erneut verhaftet und zu 15 Monaten Haft wegen Hochverrats verurteilt. Ab 1945 arbeitete Hertha Block am Wiederaufbau der Wilmersdorfer Stadtbibliothek mit.

Die Brücke trägt den Namen des jüdischen Jazzmusikers Alfred Lion, dessen Geburtshaus noch heute in der Gotenstraße 7 auf der Schöneberger Insel steht. 1936 war Lion vor dem NS-Regime in die USA geflohen, wo er wenige Jahre später das berühmte Plattenlabel "Blue Note Records" mitbegründete. Er starb dort im Jahr 1987.


Horst-Dieter Keitel / hdk
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