Zu wenig Personal, zu wenig Geld

Tempelhof-Schöneberg. Die Jugendämter kapitulieren vor ihrer Arbeitsbelastung. Im Jugendamt Mitte hängen weiße Fahnen aus den Fenstern. Bereits vor einem Jahr haben sich die Vorsitzenden der Jugendhilfeausschüsse aller Bezirke mit einem Brandbrief an die Mitglieder des Abgeordnetenhauses gewandt.

Doch seitdem ist nichts passiert. Nun folgte Anfang Dezember der zweite Hilferuf aus den Ausschüssen. Grundproblem ist Personalmangel. Immer mehr Menschen achten darauf, ob das Wohl der Kinder in ihrer Umgebung gefährdet ist. Durch das veränderte Meldeverhalten sind auch der Arbeitsaufwand und die Kosten gestiegen. Doch darauf hat der Senat bisher nicht reagiert.

In ihrem Brief stellen die Vorsitzenden aller Jugendausschüsse fest, dass sie zwar von den Amtsleitern, Jugendstadträten und Bürgermeistern unterstützt werden, doch es fehlen rund elf Millionen Euro sind im neuen Finanzplan der Stadt. Die zwölf Vorsitzenden der Ausschüsse verweisen darauf, dass dies die Summe ist, die für die "Unterhaltskosten des Flughafens BER in rund zwei Wochen" ausgegeben werde.

Sie appellieren deshalb vor Verabschiedung des Landeshaushalts nochmals an die Abgeordneten, das Moratorium für die Jugendarbeit zu beschließen.

In der Zeit der Gültigkeit des Moratoriums soll ein neues Finanzierungssystem ausgearbeitet werden. Dabei soll die Berechnung nach "Angebotsstunde" ersetzt werden. Ausschlaggebend für die Finanzierung soll die Zahl der Kinder und Jugendlichen in einem Bezirk Sein. Nach jüngsten Berechnungen seien die Leistungen der Jugendarbeit um weitere 4,25 Millionen Euro reduziert worden. Damit sind erneut Jugendfreizeitstätten, Abenteuerspielplätze, Kinderbauernhöfe, Angebote der Jugendkulturarbeit, Angebote der Mädchenarbeit bedroht und stehen vor der Schließung. Die Leistungen für die Jugendarbeit sinken 2013 um sechs Prozent.

Die Bezirksvertreter bitten das Abgeordnetenhaus, ein Moratorium zu beschließen, das den Abbau der Angebote in Berlin stoppt. Außerdem fordern sie eine Mindestpersonalausstattung für die Regionalen Sozialpädagogischen Dienste der Jugendämter. Damit könnten der aktive Kinderschutz und die erzieherischen Hilfen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien umgesetzt werden. Die Sozialpädagogischen Dienste sind mittlerweile in einigen Bezirken kaum noch arbeitsfähig. Einige drohen mit Schließungen.

Auf Nachfrage der Redaktion teilte die Vorsitzende des Kinder- und Jugendhilfeausschusses Tempelhof-Schöneberg, Marijke Höppner, mit, dass das Jugendamt vor fünf Jahren mit 249 Mitarbeitern noch sehr gut besetzt war. Heute fehlen 18 Mitarbeiter. Allein um den Kinderschutz zu gewährleisten werden 25 Mitarbeiter mehr benötigt.


Klaus Tessmann / KT
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