Staatsbibliothek benennt Saal nach Dietrich Bonhoeffer

Die von Alfred Hrdlicka geschaffene Büste steht jetzt vor dem Vortragssaal in der Staatsbibliothek. (Foto: Caspar)

Tiergarten. Die Staatsbibliothek hat einen Vortragssaal in ihrem Haus an der Potsdamer Straße nach dem von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer benannt.

Deutschlands größte Buch- und Schriftensammlung hatte 1996 den Nachlass des evangelischen Theologen erworben und begonnen, ihn wissenschaftlich zu erschließen. Bonhoeffers Briefe, Manuskripte und Notizen sowie seine Bücher gehören inzwischen zu den am häufigsten benutzten Nachlässen der mit solchen Hinterlassenschaften reich gesegneten Bibliothek. In den vergangenen Jahren konnte dieser Schatz durch großzügige Schenkungen und Ankäufe ergänzt werden. Außerdem hat der Verein der Freunde der Staatsbibliothek Spenden für die Restaurierung geschädigter Dokumente gesammelt. Vor dem Vortragssaal steht eine von Alfred Hrdlicka geschaffene Bonhoeffer-Büste. Der aus einem mächtigen Marmorblock herauswachsende Kopf des Theologen wurde der Bibliothek von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.Dietrich Bonhoeffer gehört zu den bekanntesten Vertretern der nach 1933 gegründeten Bekennenden Kirche, die sich entschieden gegen die Rasse- und Kirchenpolitik der Nationalsozialisten wandte. Nach Hitlers Machtübernahme vor 80 Jahren forderte Bonhoeffer von der Kirche, "nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen". Damit stand er im Widerspruch zur Glaubensbewegung der Deutschen Christen, die sich selber "SA Christi" nannte und den menschenfeindlichen Kurs der Nazis unterstützte. Für Bonhoeffer und seine Mitstreiter war das Christentum mit der NS-Rassenideologie unvereinbar. Aus Gründen des Gewissens seien Christen zum Widerstand gegen die Schändung elementarer Menschenrechte genötigt, war Bonhoeffer überzeugt.

Seit 1940 aktiv im Widerstand organisiert, wurde der Theologe mit Rede- und Schreibverbot belegt und 1943 verhaftet. Für ihn begann in Tegel, im Gestapo-Gefängnis Prinz-Albrecht-Straße und im Konzentrationslager Buchenwald eine quälend lange Haftzeit. Kurz vor Kriegsende wurde der 39-Jährige am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet.


Helmut Caspar / HC
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