Die Wasserretter wachen auch am Wannsee

Sophia Weimar hat das zweithöchste Rettungsschwimmabzeichen Silber. (Foto: M. Schmidt)

Wannsee. Ein Unglück an der Seebrücke von Binz auf Rügen führte 1912 zur Gründung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Heute hat sie landesweit mehr als eine Million Mitglieder. Rund um den Wannsee betreibt die DLRG 15 Wasserrettungsstationen mit ehrenamtlichen Helfern.

Die jungen Leute der Wasserrettungsstation (WRS) Tiefehorn wirken cool. Alles scheint ruhig. Doch zum Ausspannen sind die Jugendlichen im Unterschied zu den anderen am Großen Wannsee nicht da. Geht ein Hilferuf von der Leitstelle Spandau ein, dauert es keine drei Minuten, bis das Rettungsboot "Adler 28" mit der vierköpfigen Besatzung auslaufen kann.Stationsleiter Karsten Fecke kann sich auf seine jungen Mitstreiter verlassen. Die Lebensretter der vor 100 Jahren gegründeten Gesellschaft sind nicht nur gute Schwimmer, sondern auch in Erster Hilfe unterwiesen. Auch zwölf Taucher zählen dazu. Schon vom 15. Lebensjahr an leisten die Schwimmtalente der DLRG freiwillig Dienst auf den 27 Berliner WRS, davon 15 an der Unterhavel.

So wie Sophia Weimar. Die 20-Jährige mit dem "Rettungsschwimmabzeichen Silber", zu dem auch Bedienung eines Defibrillators gehört, hat schon 250 Stunden auf der Rettungsstation verbracht. Seit vier Jahren ist die Hebammenschülerin in der DLRG gern dabei: "Schöne Sache, etwas für die Gemeinschaft zu tun und anderen zu helfen", sagt sie. Besetzt sind die WRS nur am Wochenende, Sonnabend 9 Uhr bis Sonntag bis 19 Uhr, obwohl, wie Fecke erläutert, es auch schon am Mittwoch Nachmittag viele zum Baden zieht.

Bei der von der DLRG ganzjährig betriebenen Schwimmausbildung werden "geeignete Jugendliche gefragt, ob sie sich als Helfer engagieren möchten", sagt Fecke, der seit dem 12. Lebensjahr dabei ist und dort auch seine Frau kennenlernte. Schwimmunterricht ist das zentrale Anliegen der Lebensretter. Denn was heute selbstverständlich scheint, fehlte 1912 völlig. Damals starben beim Seebrückensturz in Binz 16 Menschen in der Ostsee. Es gab kein Rettungswesen, und schwimmen konnten damals wenige. 5000 Menschen gingen jedes Jahr im Wasser unter.

Heute verweist die DLRG darauf, dass mehr als 80 Prozent der Deutschen schwimmen können und es 2011 nur noch 410 Ertrunkene gab. Rettung vorm Ertrinken ist nicht mehr die Hauptaufgabe der DLRGler. Heute wird Schwangeren mit Wehen auf einem Haveldampfer ebenso geholfen wie dem Segler, der mit einer BVG-Fähre kollidiert. Etwa 120 Einsätze gehen vom Steg "07-040-T-1" Tiefehorn pro Saison aus, rund 1200 sind es in Berlin. Für die 75 Schwimmschüler hätte die DLRG gern mehr Kapazitäten im Bad am Hüttenweg. Dann brauchte sie nicht jede Woche so vielen abzusagen.


Martinus Schmidt / mst
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