Wenige Rechtsextreme trafen auf viele Gegendemonstranten

Wenn die NPD aufmarschiert, hat sie zweierlei Publikum: Polizisten, die die Veranstaltung schützen müssen, und Gegendemonstranten. (Foto: T. Sobotzki "tsfd.de")

Wittenau. Dem Versuch der rechtsextremen NPD, am 13. Juli berlinweit gegen Flüchtlingsheime zu hetzen, widersetzten sich Bürger - auch in Reinickendorf.

Die Kreuzung Eichborndamm/Oranienburger Straße sollte am 13. Juli die dritte Station bei dem Versuch der NPD sein, eine ausländerfeindliche Tour durch Berlin zu unternehmen. Den Ort in Reinickendorfer hatten die Rechtsextremisten ausgesucht, weil in der Nähe auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik sowie im Marie-Schlei-Heim am Eichborndamm 124 seit dem Frühjahr Flüchtlinge untergebracht sind. Sie hofften offenbar darauf, Bedenken von Anwohnern für ihre Ideologie nutzen zu können.Schließlich hatte sich zu Beginn des Jahres in Wittenau eine Bürgerinitiative gegründet, die die Umwandlung des ehemaligen Seniorenheims Marie Schlei in ein Flüchtlingsheim verhindern wollte. Mehrfach hatten damals Rechtsextremisten versucht, diese Bürgerinitiative für ihre Hetze einzuspannen. Die Mitglieder der Initiative zeigten den braunen Ideologen jedoch regelmäßig die Rote Karte.

Gegen die rechtsextreme Hetze am 13. Juli zeigten auch rund 250 Menschen Gesicht. Sie stellten sich dem Häufchen von 15 NPD-Anhängern entgegen und brachten ihren Abscheu vor ihren ausländerfeindlichen Parolen zum Ausdruck. Zeitweise wurde der NPD-Laster von einer Sitzblockade an der Weiterfahrt gehindert.

Die Blamage der NPD wird von den politischen Spitzen des Bezirks begrüßt. In einer gemeinsamen Erklärung vom 15. Juli betonten Bürgermeister Frank Balzer (CDU) und Bezirksverordneten-Vorsteher Dr. Hinrich Lühmann (parteilos, für CDU), dass in Reinickendorf niemals Platz sei für Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Die beiden Politiker betonten zudem, dass die Flüchtlingsheime in Reinickendorf so betrieben würden, dass keine Auffälligkeiten in deren Umgebung zu verzeichnen seien.

Auf andere Weise zeigte der Vorsitzende der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), Torsten Hauschild, seine Ablehnung gegenüber Ausländerfeindlichkeit. Er sammelte in seinem Bekannten- und Freundeskreis gut erhaltene Kleidung für die Bewohner des Marie-Schlei-Hauses und übergab Heimleiterin Claudia da Silva am 15. Juli sechs prall gefüllte Säcke mit Textilien. Jederzeit können in der Einrichtung am Eichborndamm 124 Kleiderspenden, Spielzeug, Mal- und Bastelsachen sowie Kinderbücher abgegeben werden.


Christian Schindler / CS
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